Burnout ist in aller Munde, jeder hat irgendeine Vorstellung davon, was Burnout ist. Und ich gehe sogar so weit zu sagen, dass wohl jeder von uns mindestens eine Person kennt, die selbst von Burnout betroffen ist oder war. Gleichzeitig wird das Phänomen von vielen nicht wirklich als schwerwiegendes Problem ernst genommen. Weshalb ich diesen heutigen Artikel den Gefahren widmen möchte, die mit Burnout einhergehen.
 
Laut aktueller Studien fühlen sich 11% aller Mitarbeiter in ihrem Job überfordert. Als Hauptgründe für diese Überforderungen werden folgende Faktoren genannt:
  • Hohes Arbeitspensum (>70%)
  • Zu viel Verantwortung (>30%)
  • Zu wenig Routine (30%)
Während man laut AOK 2005 nur einen Burnout-Fall pro 1000 Mitarbeiter pro Jahr gezählt hatte, gehen mittlerweile in besonders gefährdeten Jobs 200-313 Krankenstandstage pro 1000 Mitarbeiter pro Jahr auf das Konto von Burnout (Zahlen aus 2018). Und das sind nur mal die offiziellen Zahlen. Aus einer anderen Studie weiß ich, dass nur ein Fünftel der Ausbrenner nach einem langen Krankenstand aufgrund eines Zusammenbruchs wieder in ihren Job zurückkehren.
 
Besonders stark betroffene Berufsfelder sind laut AOK:
  • Dialogmarketing
  • Führungskräfte, Verkauf
  • Altenpflege
  • Kundenmanagement
  • Kassierer, Kartenverkäufer
  • Gesundheitsbereich, Pflegepersonal
  • Heilerziehung, Sonderpädagogik
  • Kinderbetreuung
  • Sozialarbeit
 
Daneben gibt es einige Studien und aktuelle Medienberichte, die auf die hohe Burnoutrate auch unter Ärzten hinweisen. Auf ARTE würde diese Woche der französische Dokumentarfilm „Ausgebrannt – Kollaps im Krankenhaus“ gezeigt. Hier kamen die Betroffenen selbst zu Wort, die Belegschaft eines Krankenhauses, in dem als Lösung der dortigen Probleme eine Revision angefordert wurde. Mehr dazu später, wenn ich zu den Auswirkungen von Burnout komme.
 
Selbstständige brennen laut Statistik seltener aus. Weshalb ich mein Augenmerk in diesem Artikel gerne auf die Gruppe der angestellten Ausbrenner richten möchte. In einem der kommenden Blogartikel werde ich mich eingehend mit der typischen Ausbrennerpersönlichkeit befassen. Da geht es dann noch etwas tiefer rein in die Materie.

Wer ist aller von Burnout betroffen?

Wenn man sich anschauen möchte, wieso Burnout so gefährlich ist, sollte man sich als Erstes ansehen, wer aller betroffen ist von Burnout. Und damit meine ich nicht, wie oberhalb aufgezählt, die besonders vom Ausbrennen betroffenen Berufsgruppen. Ich meine, wer aller davon betroffen ist, wenn ein Mensch ausbrennt und einen Zusammenbruch erleidet.
 
Am stärksten trifft es zweifelsfrei den Betroffenen, den Ausbrenner selbst. Der Burnoutprozess selbst bringt einen an die eigenen Grenzen, verändert die Persönlichkeit, beeinflusst massiv unser Leistungsvermögen und unser Verhalten, schädigt unseren Selbstwert und unser Selbstvertrauen. Im Burnout beginnen selbst die Besten und nur so vor Selbstvertrauen strotzenden irgendwann, an sich selbst zu zweifeln. Der Zusammenbruch selbst ist noch einmal ein ganz eigenes Kaliber, von dem ich in anderen Blogartikeln erzähle.
 
Von den gesundheitlichen Aspekten mal ganz abgesehen. Psychosomatische Symptome, Rückenschmerzen, Tinnitus, Schlafstörungen, andere ernsthafte (chronische) Erkrankungen und Depressionen treten häufig in Zusammenhang mit Burnout auf. Neben der durch das Burnout verursachten Erschöpfung sind diese nochmal eine eigene sehr hohe Belastung für die Betroffenen.
 
Angehörige
 
Neben dem Ausbrenner selbst ist auch sein gesamtes persönliches Umfeld betroffen. Ich habe selbst bereits zweimal miterlebt, wie mein Partner (zwei unterschiedliche Personen) ins Burnout gerutscht sind. Und ich habe bereits mehrere Freundinnen und Verwandte ins Burnout schlittern sehen und durch ihren Bunroutprozess begleitet. Keine einfache Aufgabe, wie ich finde.
 
Als Angehörige ist man hier oft überfordert und hilflos. Selbst wenn man wie ich bereits selbst Erfahrung mit Burnout gemacht hat. Denn jedes Burnout ist individuell. Die Ursachen und Entwicklungen sind immer unterschiedlich. Und auch der Umgang der Betroffenen mit dem Burnout. Einige wollen bis zum Schluss nicht wahrhaben, dass sie im Burnout stecken bzw. ein Problem haben – man muss es ja nicht an einem Begriff festmachen. Für sie ist der Kontrollverlust über sich, ihre Emotionen, ihr Leistungsvermögen das Schlimmste, was sie sich vorstellen können. Wieder andere glauben einfach ewig daran, dass es schon noch irgendwie gehen wird, dass sie das noch schaffen. Bis es dann halt eines Tages nimmer geht und sie von ihrem Körper buchstäblich in die Knie gezwungen werden.
 
Während man als Angehörige oft schon sehr früh Verdacht schöpft und wenn man mutig ist, das Thema auch direkt anspricht, dauert es im Kopf des Betroffenen selbst meist viel länger, bis dieser sich eingesteht, dass er ein ernstes Problem hat und Hilfe braucht. Hier als Beobachter und Begleiter so viel Verständnis und Geduld aufzubringen ist nicht leicht. Und mit jeder Phase, die der Betroffene tiefer ins Burnout eintaucht, desto schwieriger wird es. Denn irgendwann verändern die Betroffenen ihr Verhalten oder wollen sich zurückziehen.
 
Die Stehaufweibchen Community hat daher eigene Angebote für Angehörige von Burnout-Betroffenen zusammengestellt, die ich allen Angehörigen an dieser Stelle gerne ans Herz legen möchte.
 
Arbeitgeber und Kollegen
 
Natürlich ist auch der Arbeitgeber in besonderem Maße betroffen. Die meist plötzlich auftretenden Ausfälle müssen kompensiert werden. Was bei den in vielen Unternehmen eh schon knapp bemessenen Personalressourcen oft schwierig ist. Es ist zudem unklar, wie lange der Betroffene ausfällt und ob er überhaupt wieder kommt. Ich erinnere an die oben genannte Zahl: nur ein Fünftel kommt wieder zurück in den Job. Nun sind Nachbesetzungen nicht möglich, solange der Betroffene angestellt und im Krankenstand ist.
 
Aber nicht erst durch einen Zusammenbruch selbst tauchen Probleme auf. Auch der in vielen Fällen über Wochen und Monate auffällige Leistungsabfall der Burnout-Betroffenen verursacht Probleme. Der schlimmste Fall, von dem ich je gehört habe, hat das Unternehmen zig Tausende Euro gekostet, weil der Betroffene zum Einen nicht abgesegnete Sonderkonditionen an Kunden weitergegeben hatte. Und die von Kunden unterschriebenen Verträge nie in die Systeme eingeklopft wurden, sprich der Vertrag offiziell nie zustande gekommen war. Bei einem Versicherungsunternehmen eine eher heikle Angelegenheit.
 
In vielen Fällen kommt es zu Beschwerden von Kunden und Kolleginnen. Denn der Betroffene vergisst häufig auf Abgabetermine oder arbeitet schlampiger als früher. Es muss viel mehr nachgearbeitet werden. Und im schlimmsten Fall meiden Kollegen den Betroffenen bzw. wollen gar nicht mehr mit ihm zusammenarbeiten, weil man sich nicht auf ihn verlassen kann, ständig hinterher sein und nacharbeiten muss.
 
Natürlich sind auch die Kollegen nach einem Zusammenbruch oft die Armen, weil sie zusätzlich zu ihrer eigenen Arbeit auch noch die des ausgebrannten Kollegen mitmachen müssen. Und nicht selten tauchen hier nochmal neue Leichen im Keller des Betroffenen auf. Der vor seinem Zusammenbruch einige Fehler gemacht hat und diese vermutlich noch nicht mal mehr mitbekommen hat.
 
Auch wenn der Burnout-Betroffene nach einem langen Krankenstand und eventuell einer Kur wieder zurück in seinen alten Job kommt, muss in vielen Fällen einiges umgestellt werden. Es ist in den seltensten Fällen danach wieder alles so wie vorher. Und nicht selten traut man dem Ausbrenner nun nicht mehr viel zu.
 
Organisationen, in denen es viele Ausbrenner gibt, nehmen also definitiv finanziellen Schaden. Welcher nicht nur anhand der auf Burnout zurückzuführenden Krankenstandstage bemessen werden kann. Ich kann mir vorstellen, dass Unternehmen, die sich die Mühe machen, diesen finanzellen Schaden, sowie den Imageschaden als Arbeitgeber und die negativen Auswirkungen auf die restliche Belegschaft und das Arbeitsklima, schnell feststellen würden, dass sich Präventions- und Aufklärungsmaßnahmen sowie Angebote zu einem effektiven Umgang mit Burnout in der Organisation rasch rentieren würden.
 
Ich jedenfalls werde ein solches Programm in das Angebot der Stehaufweibchen Community mit aufnehmen. Weil ich eben nicht daran glaube, dass es ausreicht, Mitarbeitern zu erzählen, dass sie auf ihre Work-Life-Balance achten und Yoga oder Meditation betreiben sollten. Und dass es auch nicht reicht, wenn große Firmen die Emailsynchronisationsserver nach 20 Uhr abdrehen, damit die Mitarbeiter abends und an den Wochenende keine Emails mehr bearbeiten können. Hier muss ein Mindshift passieren und die Resilienz der Mitarbeiter und vor allem der Manager aufgebaut werden. Es braucht passende Bewältigungsstrategien und die sind, wie auch jedes individuelle Burnout einer Einzelperson, von Organisation zu Organisation anders, weil die Situationen und Bedingungen individuell sind. Bei Interesse schreib mich einfach direkt an.
 
 
Wirtschaft, Gesellschaft und Gesundheitssystem
 
Der wirtschaftliche Schaden sowie die Auswirkungen auf unsere gesellschaftlichen Systeme wie das Pensions- oder Gesundheitssystem sind enorm. In Österreich wurde dazu eine erschreckende Studie veröffentlicht.
 
Das größte Problem sieht man darin, dass erst viel zu spät Maßnahmen ergriffen werden. Was auch meiner persönlichen Erfahrung und Einschätzung entspricht, weshalb ich mich dazu berufen fühle, über die Stehaufweibchen Community sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen dabei zu unterstützen, ihren Umgang mit Burnout zu verbessern und die Resilienz zu erhöhen.
 
Bei frühen Diagnosen und entsprechend gesetzten Maßnahmen reduzieren sich die Kosten pro Burnout-Fall für Organisationen auf € 1.500-2.300,-. Wenn erst sehr spät gehandelt wird bzw, es zu einem Zusammenbruch kommt, wird in der vorliegenden Studie bereits von Kosten in der Höhe von bis zu € 130.000,- gesprochen. Man kann sich vorstellen, welchen gesamtwirtschaftlichen Schaden die immer weiter steigende Burnoutrate hat.
 
Auch die Rate der Frühpensionierungen aufgrund von Bunrout steig enorm. Mal abgesehen von den hohen Kosten für die Behandlung und Rehabilitierung von Burnout-Betroffenen. Bei einer immer weiter sinkenden Zahl an erwerbstätigen im Vergleich zu einer immer älter werdenden Gesellschaft, keine positive Entwicklung.
 
Die aus meiner Sicht größte Herausforderung besteht darin, dass wir alle, die gesamte Menschheit der sogenannten VUCA Welt ausgeliefert ist. Die VUCA Welt beschreibt recht eindringlich, wieso die Burnout- und Depressionsraten steigen.
 
V = Volatilität, Unvorhersehbarkeit => rasche Veränderungen, die schwer vorhersehbar, eine eigene Dynamik entwickeln und somit insgesamt immer schwerer einzuschätzen sind mit all ihren Auswirkungen und Konsequenzen auf wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen. Die markantesten Beispiele liefern die raschen technologischen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte. Innerhalb weniger Generationen wurde es zu einer Selbstverständlichkeit in unserer westlichen Welt, dass jeder ein Smartphone besitzt und intensiv nutzt. Das hat unser Arbeiten, unsere Kommunikation, unser Sozialleben, unser Konsumverhalten, unseren Nachrichtenkonsum und vieles mehr komplett verändert. Und das innerhalb von 2-3 Generationen. Das ist Wahnsinn!
 
U = Unsicherheit => ich denke, es ist naheliegend, dass solche schwer vorhersehbaren Veränderungen (Wandel ist die einzige Konstante) überall in der Gesellschaft Unsicherheit hervorruft. Die digitale Wissens- und Netzwerkgesellschaft bringt neben den vielen tollen neuen Möglichkeit auch viele Unsicherheiten und Gefahren mit sich. Stichwort: Datenschutz und Cybermobbing.
 
C = Complexity, Komplexität => die jüngeren Generationen, die bereits mit all den neuen Technologien und den vielen Ausbildungs- und Jobmöglichkeiten Dank der Globalisierung und der Digitalisierung aufgewachsen sind, tun sich im Umgang mit diesen Veränderungen oft leichter. Doch auch sie sind überfordert. Weil sie von ihren eigenen Eltern und den Personen ihrer Erziehungslandschaft in ihrer Kindheit und Jugend nicht mit den passenden Bewältigungsstrategien ausgestattet wurden. Wie auch? Damit hatte ja niemand vor 20-30 Jahren rechnen können! Siehe Punkt 1 = V = Unvorhersehbarkeit.
 
A = Ambivalenz, Mehrdeutigkeit => Dank dem Internet und der Globalisierung steht uns ein enormer Wissensschatz zur Verfügung. Das erweitert zwar unseren Horizont, bringt jedoch auch die Herausforderung mit sich, dass wir immer öfter widersprüchliche Meinungen und Aussagen zu einem Thema hören. Ich sage nur Ernährungslehren! Da gibt es sicher hunderte auf dem Markt kommunizierte, von Ärzten und Experten propagierte. Und es werden gewiss alle ihre Berechtigung haben, denn jede einzelne von ihnen für sich genommen hört sich total logisch und vernünftig an. Doch wenn man mal anfängt, in dieses Wespennest an Ernährungsempfehlungen hineinzustechen, wird man schnell überfordert sein. Was nicht selbst auch zu Resignation und sehr viel Frust führen kann. Um nur ein markantes Beispiel zu nennen.
 
Wir Menschen wurden nicht darauf vorbereitet, mit diesen Faktoren der VUCA Welt, in der wir nun mal leben, konstruktiv umzugehen. Das muss also nachgeholt werden. Leider sind die Angebote dafür noch etwas rar und wenn vorhanden nicht so etabliert und angesehen, wie sie sein sollte. In Österreich und Deutschland ist es immer noch keine Normalität, dass man sich einen Coach oder Mentor nimmt, um mit diesem gemeinsam an der eigenen Resilienz und Lösungskompetenz zu arbeiten. Angesichts der immer deutlich werdenen Probleme, die mit dieser fehlenden Kompetenz einhergehen, rechne ich jedoch fest damit, dass sich das in den kommenden Jahren wandeln wird.
 
Hier unterstützt auch wieder die Stehaufweibchen Community beim Aufbau jener Stehaufweibchen-Qualitäten und Resilienzfaktoren, die es braucht, um mit dieser Komplexität umzugehen. Ich habe es mir mit der Stehaufweibchen Community zum Ziel gesetzt, in einem ersten Schritt Frauen (ja für euch Männer wird bereits an einem eigenen Konzept gearbeitet 😉 dazu zu befähigen, Krisen zu meistern, ihre eigenen Stärken zu erkennen und zu fördern, widerstandsfähiger und lösungskompetenter zu werden. Hier kannst du dich über die aktuellen Angebote informieren.
 
Bevor ich wieder das Feedback bekomme, meine Blogartikel seien zu lang, lass‘ ich es hier mal für heute gut sein. Ich hoffe, du hast dir für dich etwas mitnehmen können. Ich freue mich über einen Kommentar von dir hier unterhalb des Artikels oder eine Email von dir. Wenn du dich direkt mit mir und anderen austauschen möchtest, lade ich dich auch ganz herzlich in die Stehaufweibchen Community auf Facebook ein.
 
Schau auf dich, die Welt braucht dich!
 
Alles Liebe
Deine Susi, das Stehaufweibchen