Viele verbinden mit einer Krise einen oder mehrere Auslöser und die fehlenden Handlungsoptionen, um diese zu bewältigen. Noch weiter betrachtet ist eine Krise jedoch viel mehr als bzw. ist der Auslöser in den meisten Fällen nur noch der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Die Krise selbst entsteht schon vorher.
 
Lass mich gleich mal mein Lieblingsthema Burnout als Beispiel für eine typische Krise nehmen, um zu veranschaulichen, wie ich das meine. Ich denke, es ist allgemein klar und anerkannt, was das Ende einer Burnout-Episode darstellt: nämlich der Zusammenbruch. Irgendwann geht einfach gar nichts mehr, der Körper hat die Notbremse gezogen und einen Großteil der Systeme runtergefahren.
 
Hingegen völlig unklar ist, wie es zu diesem Zusammenbruch oder generell dazu kommt, dass jemand in eine solche Burnout-Episode rutscht. Viele Betroffene würden wohl sagen, dass es ein schleichender Prozess war, der ihnen zu Anfang gar nicht wirklich bewusst war als Burnout oder “echte Krise”. Viele Ausbrenner sind es gewohnt, dass sie Herausforderungen bewältigen müssen. Ja, sie suchen sich sogar bewusst Umfelder, in denen sie das besonders häufig tun müssen 😉 Daher fällt eine Herausforderung mehr oder weniger anfangs nichts auf.
 
Bei einem Burnout ist es wie bei allen Krisen so, dass es einerseits zu einer höheren Belastung/ Beanspruchung und somit zu Stress in unserem System kommt. Und zum anderen verlieren wir die Möglichkeit, adäquat auf diese Überlastung zu reagieren. Das hat in vielen Fällen zur Folge, dass wir unbeabsichtigt ungünstige Nebenwirkungen erzeugen und somit die Überlastung steigern Der Teufelskreis beginnt.
 
So, was ist hier aber nun passiert? Sind all diese Situationen wirklich “fremdverschuldet” und wir nur arme Opfer, die plötzlich damit konfrontiert werden? In aller Regel NEIN.
 
Wir sind IMMER die Gestalter unseres Lebens. Einige von uns gestalten ihr Leben bewusster als andere, aber Fakt ist, wir entscheiden in jedem Moment unseres Lebens darüber, wie wir unser Leben gestalten. Und auch eine vermiedene Entscheidung, sprich das Nicht-Entscheiden, ist eine Entscheidung. Nämlich jene, dass man die Verantwortung für das eigene Leben anderen überlässt. Hier muss man dann natürlich in Kauf nehmen, dass man sich selbst um Handlungsspielraum bringt und auch um die Möglichkeit, Handlungs- und Bewältigungsstrategien kennen zu lernen und zu trainieren.
 
Wir werden also tatsächlich immer hilfloser. Was zur Folge hat bei vielen, dass sie sich immer tiefer in diese Opferrolle hineingraben. Das System und die Menschen mit der größten Macht in diesen Systemen werden zum Feind erklärt und für alles verantwortlich gemacht. Das ist ein Weg.
 
Wie du dir sicherlich denken kannst, wenn du mich schon etwas besser kennst, ist das nicht die von mir empfohlene Sichtweise. Im Gegenteil: ich finde Verantwortung übernehmen ist unglaublich sexy und macht frei. Denn Eigenverantwortung ist die Basis dafür, mein Leben aktiv und bewusst zu gestalten und handlungsfähig ist sein, auch wenn mir das Leben einmal größere Brocken hinwirft oder gar mehrere Brocken auf einmal.
 
Zurück zur Entstehung einer Krise. Je bewusster wir unterwegs sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass wir auch Krisen besser bewältigen und viele Krisen schon im Keim ersticken können, weil wir verstehen und begreifen können, wie diese entstehen.
 
Eine Krise ist vereinfacht ausgedrückt eine Disbalance in unserem Leben. Solange in unserem Leben alles in Balance ist, erleben wir Herausforderungen nicht als Krisen. Zur Krise werden sie erst dann, wenn wir in Disbalance sind. Was bedeutet nun Disbalance? Wie kommt es zu einer solchen Disbalance? Mit der Beantwortung dieser Fragen kommst du dem Geheimnis der Entstehung von Krisen schon sehr nahe.
 
Stell dir vor, all deine Wahrnehmungen und was du dir bewusst zuführst – körperlich in Form von Nahrung zum Beispiel oder geistig in Form von Lernstoff und Informationen – sind INPUT. Wenn du dir dich selbst als Gefäß vorstellst, wird schnell klar, dass du ein begrenztes Aufnahmevolumen für Input hast. Sprich irgendwann wird das Gefäß unkontrolliert übergehen oder auslaufen. Hier entscheiden wir jedoch nicht selbst, welcher Anteil des zuvor gesammelten Inputs hier überschwappt, hier beginnt also die Krise, denn wir haben keine volle Kontrolle mehr und sind nur noch eingeschränkt handlungsfähig.
 
Nun drängt sich natürlich die Frage auf, wie ich denn verhindern kann, dass mein Gefäß übergeht und ich die Kontrolle verliere. Vereinfacht ausgedrückt, in dem du aus Input OUTPUT kreierst.
 
Ich betrachte diese Mechanik auf 3 Ebenen:
  • der körperlichen Ebene
  • der geistigen Ebene (Verstand) und
  • der seelischen Ebene (in erster Linie Gefühle und Emotionen)
Auf körperlicher Ebene
Wenn unser Körper keine Reize (Input) mehr bekommt, baut er schnell ab und das kann zu Beschwerden führen. Seit meinem 30er merke ich das besonders massiv 😉 Ich denke das leuchtet ein und kann jeder am eigenen Beispiel oder seinem direktem Umfeld einfach nachvollziehen. Je älter wir werden, desto mehr müssen wir dem Körper neue Reize bieten, damit er nicht so massiv abbaut, ansonsten schreitet der Abbau immer schneller voran.
Jemand der Muskelmasse durch Trainieren aufbauen möchte, muss ebenfalls Reize für seine Muskeln bieten, die diese über sich hinauswachsen lassen, sie dazu zwingen, weiter zu wachsen. Sprich nur wenn der Reiz intensiv genug ist, sehen die Muskeln sich dazu veranlasst, hier nachzulegen und größer und stärker zu werden. Immer gleich bleibende Reize haben natürlich keinen solchen Effekt. Solange der Abbau durchs Älterwerden nicht beginnt, kann man mit gleichbleibenden reizen zumindest den Status Quo aufrecht erhalten. Doch wie gesagt, spätestens ab 30 merken wir alle, dass der Körper abbaut.
Wenn ich nun auftrainiert bin und aufhöre meine neu gewonnene Muskelkraft im Training zu nutzen, wird auch hier die Muskelmasse wieder abgebaut. Und zwar unkontrolliert, sprich der Betroffene kann sich nicht aussuchen, welche Muskeln als erstes usw. der zuvor aufgebaute Input verlässt unkontrolliert den Körper und wird zu einem in aller Regel unerwünschten Output.
 
Auf geistiger Ebene
Du kennst sicher Menschen, die unglaublich viel lesen und sich viel (unnützes) Wissen aneigenen. Und sicher kennst du unter diesen auch einige, die dieses Wissen nie zur Anwendung bringen. Sie erzeugen keinen Output, sie verwerten ihr angehäuftes Wissen nicht. Damit bringen sie sich jedoch auch um die enorm befriedigende Erfahrung des Erschaffens und Schöpferisch tätig sein. Wenn ich beispielsweise mein Wissen an andere weitergebe in Form von Trainings oder Beratungen, dann erzeuge ich bereits Output. Noch effektvoller ist es, wenn ich dieses Wissen zuerst in eigene Erfahrungen umwandle, in dem ich es selbst ausprobiere. Und auch diese gemachten Erfahrungen (Input) lassen sich wieder in Output (Training, Beratung) umwandeln.
 
Bei fehlendem geistigen Output kann es auch zu einem Boreout kommen, denn die angeeigneten Kompetenzen kommen schlichtweg nicht zur Anwendung. Man verblödet buchstäblich. Ich habe dies selbst mehrfach erlebt, wie schnell das gehen kann, wenn man keiner sinnvollen, den eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen entsprechenden Tätigkeit nachgehen kann. Bei mir haben diese Boreout-Phasen mehrere Monate angedauert und ich habe richtig gemerkt, wie meine geistigen Fähigkeiten massiv nachgelassen haben. Für einen Kopfarbeiter wie mich ein Albtraum!
 
Auf seelischer Ebene
Hier ist es meiner Erfahrung nach besonders tricky. Denn mit Gefühlen, besonders wenn wir sie als negativ bewerten, befassen sich viele nur ungern oder unter Druck. Doch gerade bei unseren Gefühlen ist es enorm wichtig, dass wir ihnen Ausdruck verleihen. Wenn ich beispielsweise Kränkungen oder Wut immerzu nur in mich hineinfresse, werden diese unterdrückten Energien irgendwie anders zum Vorschein kommen. Entweder durch eine explosionsartige Entladung von Emotionen oder zum Beispiel durch körperliche Beschwerden und Krankheiten.
 
Sobald etwas in unser System reinkommt (Input), egal in welcher Energieform (Information, Reiz, Gefühl) und egal über welchen Kanal (Körper, Geist, Seele), wenn wir es nicht verwerten und wertschöpfenden Output kreieren, stürzen wir zwangsläufig über kurz oder lang in eine Krise.
 
Ich habe es genauso gemacht. Über viele Jahre unglaublich viel Wissen und Erfahrung angesammelt, es fehlte jedoch das Ventil für die Verwertung und so kam es, wie es kommen musste. Ich schlitterte von einer Burnout-Episode und von einer Krise in die nächste. Denn in meinem Berufsleben, das immer schon einen sehr wichtigen Teil in meinem Leben ausmachte, konnte ich immer nur einen kleinen Teil meiner Kompetenzen und Fähigkeiten einsetzen. Ich habe mich deshalb immer unausgeglichen gefühlt. Und wenn ich versucht habe, den Ausgleich im Privatleben zu finden, habe ich mich oft übernommen und mir dann neben meinen anspruchsvollen Jobs zu viel aufgehalst (nebenberufliches Studium, Sport/Fitness, Coaching und Unterstützung von Familie und Freunden, schwierige Lebenspartnerschaften, zig verschiedene Interessen und Hobbies, die gepflegt werden wollten…). 
 
Das führte zwar immer weider erfolgreich zu einer Art Output, erzeugte jedoch am Ende zusätzlich auch noch mehr neuen Input und überlastete somit mein System. Für den Output, den ich eigentlich gerne geliefert hätte, um andere Menschen aktiv zu unterstützen und etwas zu bewegen, gab es nicht den nötigen Rahmen. Ich war aufgrund meiner Lebensweise und meiner Entscheidungen stets stark eingeschränkt in meiner Schöpferkraft. Und das rächte sich bitter, wie man an meiner Burnout-Karriere deutlich sehen kann.
 
Erst als ich begriff, dass ich hier auch die Rahmenbedingungen verändern, sprich aktiv gestalten und nicht mehr nur direkt an mir arbeiten musste, gelang es mir, nachhaltig mein Krisenmanagement zu meistern. Mit den auf mich und meine Schöpferkraft abgestimmten Rahmenbedingungen war es endlich möglich, so richtig viel Input in wertschöpfenden Output umzuwandeln. Und einen Beitrag dazu liest du hier gerade.
 
Meine persönliche Empfehlung an alle, die gerne mehr zum Thema erfahren wollen: der kostenlose dreiteilige Kurs Fucked Up von veit Lindau.
 
In meinem geplanten Onlinekurs “Das Stehaufweibchen-Programm” gehe ich nochmal im Speziellen auf die Bewältigungsstrategien und den Aufbau der Handlungsfähigkeit sowie Resilienz ein. Bei Interesse hol dir am besten die Stehaubweibchen-News und bleib auf dem Laufenden. 
 
Alles Liebe
Deine Susi, das Stehaufweibchen