Dieser Beitrag wurde inspiriert durch die Blogparade “Haltung, Werte und Wirkung im Business” von Anna Koschinski, einer Bloggerexpertin mit Herz.

Ich habe diese Blogparade zum Anlass genommen, meinen eigenen Wertekompass zu checken. Obwohl ich mich schon öfter mit dem Thema Werte beschäftigt und meine eigenen Werte oft zu Papier gebracht habe, wollte ich nun doch auch mal wieder überprüfen, ob ich sie denn auch wirklich lebe. Ob ich Haltung annehme.

Wieso Werte und Haltung wichtig sind

Bevor wir tiefer einsteigen, möchte ich eingangs gerne die Frage beantworten, was Haltung für mich persönlich bedeutet. Im Wort Haltung steckt das Wort “Halt” drin. Halt bedeutet für mich Stabilität, Sicherheit. Wer also eine klare Haltung hat und seine Werte lebt, erlebt selbst diese Stabilität und Sicherheit, vermittelt diese jedoch auch an andere. Denn diese wissen genau, worauf sie sich einlassen, mit wem sie es zu tun haben. Und in einer Welt, in der ein Schaumschläger nach dem anderen ach so großzügig seine Weisheiten oder “tollen” Produkte mit leeren oder überzogenen Versprechungen versucht an den Mann (oder die Frau) zu bringen, sind das Kriterien von großem Wert.

Eine Freundin von mir hat einmal gesagt “die neue Währung heißt Vertrauen” und sie hat Recht. Wir kaufen von Menschen. Wir kaufen aufgrund von Empfehlungen von Menschen. Es geht also darum, sich in dieser lauten, reizüberflutenden (Online)Welt als Mensch zu zeigen und authentisch aufzutreten. Nur so kann man die Herzen der anderen erreichen. Nur so kann man echte, nachhaltige Beziehungen aufbauen.

Persönlich habe ich kein Interesse daran, ein halbherzig erstelltes, mittelmäßiges Produkt auf den Markt zu schmeißen, nur weil ich Kohle verdienen “muss”. Ich habe es selbst in der Hand, wie ich mir mein Leben gestalte. Und ich habe es beispielsweise so gestaltet, dass ich die Möglichkeit habe, ohne großem finanziellen Druck in Ruhe und mit Hingabe meine Community aufzubauen. Nebenberuflich.

Arbeiten mit Menschen

Da es in der Blogparade von Anna um Werte und die Haltung im Business geht, habe ich den Fokus bei meinen Betrachtungen auf diesen Lebensbereich gelegt. Ich bin Teilzeit angestellt als Trainerin und Koordinatorin eines Trainerteams, und nebenberuflich selbstständig mit der Stehaufweibchen Community. Seit 2019 mach ich die Ausbildung zur Lebens- und Sozialberaterin, was in Österreich die Basis für den Gewerbeschein ist, um Menschen außerhalb des Businesskontextes in Lebensfragen oder Krisen zu beraten und coachen zu dürfen. Eine wichtige Investition in meine berufliche Zukunft und die Ausbildung, die ich bereits mit Anfang 20 machen wollte (wusste offenbar schon früh, wo es mich hinziehen wird ;-).

Ich arbeite also viel mit anderen Menschen zusammen und baue in aller Regel rasch eine Vertrauensbasis und Beziehungen auf, die die Basis für meine Arbeit bilden. Denn in meiner Arbeit geht es nicht um mich, es geht um andere, um die Menschen, die mit mir in Trainings oder Coachings zusammenarbeiten. Es geht um deren Probleme, Herausforderungen oder Fragen.

Von daher passt es gut, dass zwei meiner wichtigsten Werte “persönliche Weiterentwicklung” und “sinnvoll und wertstiftend dienen können” sind. Genau darum geht es in meinen Seminaren, Workshops, Onlinekursen oder Coachings. Und generell in meinen Aktivitäten für die Community. Die Teilnehmer stehen im Fokus. Mein Ziel ist es, für sie einen Mehrwert zu stiften. Ihnen etwas zu liefern, mit dem sie weiterarbeiten können. Inspiration, Anregungen, konkrete Tipps oder Anleitungen, mutmachende oder aufmunternde Worte.

Ich lasse mich hier von meiner Intuition leiten. Andere würden dazu vielleicht Bauchgefühl sagen. Jedenfalls bin ich in der Zusammenarbeit mit Menschen nicht im Kopf, sondern immer im Hier und Jetzt, mit offenem Herzen voll dabei. Hierbei entsteht ein besonderes Feld der Verbundenheit, das Gefühl angenommen zu sein und einfach man selbst sein zu können. Und zwar sowohl für meine Teilnehmer und Coachees, als auch für mich. Vor allem in meiner Trainerrolle merke ich das ganz stark. Da kann ich wirklich aus dem Vollen schöpfen, mich zeigen und so sein, wie ich bin.

Persönlich glaube ich, dass das deshalb möglich ist, weil es mir um die Teilnehmer geht und nicht darum, mich zu präsentieren oder zu profilieren. Eitel war ich sowieso nie, aber es kümmert mich auch wenig, ob ich jetzt eine gute Figur gemacht habe. Mir ist nur wichtig, hatten die Teilnehmer was davon, konnte ich ihnen einen echten Mehrwert liefern. Wenn ja, war ich erfolgreich. Das ist meine Motivation, das ist mein Antrieb. Der Erfolg der anderen, die Potenzialentfaltung anderer.

Erfahrungen aus der Privatwirtschaft

Ich komme aus der Privatwirtschaft, wo ich viele Jahre im Customer Service und als Projektmangerin gearbeitet habe. In der Zusammenarbeit mit anderen Menschen in Teams war für mich schnell klar, dass ich keinen Unterschied in der Bedeutung von Menschen für ein Projekt machte. Ungeachtet ihres Ranges in der Hierarchie oder wie laut und selbstsicher sie sich präsentierten. Denn am Ende kommt es auf jeden einzelnen an, ob ein Projekt erfolgreich ist. Jeder im Team liefert dazu seinen Beitrag. Ich stelle mich auch als Führungskraft, Supervisor oder Projektmanager nicht über mein Team. Ich bin von allen Rollen wohl immer noch jene, die am einfachsten ausgetauscht werden kann. Denn auf Fachexperten kann man gewöhnlich im Projekt oder Daily Business nicht verzichten. Da braucht man die Erfahrung und das Knowhow.

Diese Haltung führte dazu, dass ich mich nicht als unverzichtbar betrachtete. Denn ich wusste, am Ende käme es nicht auf mich an, sondern auf die anderen Teammitglieder. Meine Aufgabe bestand auch hier darin, den Rahmen dafür zu schaffen, dass sie tolle Leistungen bringen und sich entwickeln konnten. Daher machte es mir auch nichts aus, wenn ich für Teamerfolge persönlich keine Lorbeeren erntete. Für mich war das immer eine Teamleistung.

Erfahrungen mit Communityaufbau und als Unternehmerin

Als ich mich Anfang 2019 mit der Stehaufweibchen Community und somit einem (Online) Business an den Start machte, kam mir diese Grundhaltung wohl zu Gute. Anfangs hab ich mich noch hinreißen lassen und versucht, allen Empfehlungen und Strategien für den erfolgreichen Communityaufbau gerecht zu werden. Mit dem Ergebnis, dass es das Feuer in mir erdrückte und die Herzensverbindung zu meinem Projekt überlagert wurde. Es standen plötzlich nur mehr Zahlen und Strategien im Vordergrund, es ging nicht mehr vorrangig um die Menschen und deren Themen. Doch genau die Menschen und mein Wunsch danach, ihnen sinnstiftend und wertvoll dienen zu können, waren der Grund dafür, dass ich überhaupt mit der Stehaufweibchen Community gestartet habe.

Nach wenigen Monaten zog ich die Notbremse und besann mich wieder auf meine Werte und darauf, was mir meine Intuition riet. Am Ende hatte ich nicht annähernd den Erfolg, den ich mir für mein erstes Jahr als Communitygründerin erhofft hatte, doch ich hatte mich nicht verbogen oder meine Werte beschnitten. Und das fühlte sich gut und vor allem richtig an.

Ja, ich habe noch nicht den passenden Weg für erfolgreiches Marketing gefunden, doch ich mache hier lieber kleine Schritte, welche mit meinen Werten konform gehen als große, auf Kosten meiner Werte und meiner Authentizität.

Ich bin überzeugt davon, dass gerade im Onlinebereich, wo man sich als Mensch präsentieren muss, wenn man bei der ganzen Reizüberflutung gesehen und wahrgenommen werden möchte, authentisches Auftreten zwingend notwendig ist für nachhaltigen Erfolg. Die Leute checken meist recht schnell, wenn einer unehrlich oder falsch ist. Oder nur so tut als ob. Ehrlichkeit ist auch einer meiner Werte, weshalb es mir gar nicht in den Sinn käme, hier irgendwem was vorzumachen oder vorzugeben jemand zu sein, der ich nicht bin.

Wir kaufen heute von Menschen. Wir kaufen aufgrund von Empfehlungen von Menschen. Es geht um den Menschen. Überall dort, wo das erkannt wurde, ist man auch nachhaltig erfolgreich. Das gilt auch für Unternehmen oder Organisationen. Wobei man hier aufpassen muss, mit welcher Fraktion man es zu tun hat. Starke Betriebsräte beispielsweise verfolgen oft Ziele mit dem Fokus auf den Menschen, die jedoch dem Allgemeinziel (dem Zweck) der Organisation nicht dienen. Hier geht es um rein egoistische Motive und es leuchtet wohl ein, dass die Verfolgung egoistischer Ziele in Organisationen zwangsläufig zu Problemen im System führen müssen. Ganz gleich, ob diese auf höchster Managementebene oder vom “einfachen” Mitarbeiter über den Betriebsrat verfolgt werden. Solange das Prinzip “jeder ist sich selbst der nächste” gilt, ist kein gemeinsames Arbeiten an einem gemeinsamen Ziel nachhaltig möglich.

Sollte ich selbst einmal Mitarbeiter beschäftigen, wäre mir wichtig, dass wir gemeinsam einen Rahmen schaffen, der für uns und das Projekt gut passt. Weder der Ansatz “nur das Ergebnis zählt” (ungeachtet der verschlissenen Ressourcen) noch “nur der Mensch zählt” (ungeachtet des Gesamtsystems, in dem sich diese bewegen) funktionieren aus meiner Sicht. Es braucht eine gesunde Mischung. Eine gemeinsame Vision und ein gemeinsames Verständnis davon, wo wir mit welchen Ressourcen und Spielregeln hinwollen. Genauso wie es ein Verständnis dafür braucht, dass die Menschen stets die wertvollste Ressource in einer Organisation sind. Und in Unternehmen, in denen sich Mitarbeiter wohlfühlen und wertgeschätzt werden, arbeiten diese in aller Regel auch gerne, engagiert und lange.

Wertschätzung und Anerkennung sind aus meiner Sicht ganz wesentliche Aspekte in der Zusammenarbeit in Teams. Besonders in Krisenzeiten, wenn womöglich mehr zu tun ist und Extrameilen gegangen werden müssen, um das System am kollabieren zu hindern, funktionieren diese Teams dann besonders gut. Dort wo gewöhnlich Egoismus vorherrscht, wird auch in der Krise Egoismus vorherrschen. Da wird jeder vor allem auf seinen eigenen Vorteil bedacht sein.

So kann ich am besten dienen

Letztens bekam ich nach einem Webinar zum Thema “Umgang mit deinen Ängsten”, welches eineinhalb Stunden dauerte und in dem es am Ende keinen Verkaufspitch für irgendein Produkt gab, das Feedback, dass es toll sei, dass ich sowas kostenlos anbiete. Ich dachte mir nur, na ist doch eh klar. Ich bin nicht an den Start gegangen, um reich zu werden, sondern angetrieben von der Vision anderen Menschen dabei zu unterstützen, Stärke und Klarheit zu gewinnen. Auf welches Themengebiet ich mich dabei spezialisieren werde, kristallisiert sich gerade heraus (aufgrund meiner vielseitigen Interessen, Ausbildungen und Erfahrungen hab ich ein breites Betätigungsfeld zur Verfügung).

Doch für mich ist ganz klar, dass ich immer kostenlos wertvollen Content mit meiner Community teilen werde. Da ich irgendwann 100% als Unternehmerin tätig sein möchte, da auch “Freiheit” und “Unabhängigkeit” zu meinen Werten zählen, werde ich jedoch auch immer Bezahlangebote machen. Es kann dann jeder für sich entscheiden, ob er direkt mit mir intensiv zusammenarbeiten will oder sich aus all den kostenlosen Angeboten das rauspickt, was für ihn gerade am besten passt.

Ganz egal, wohin mich mein beruflicher Weg noch führen mag und was aus meiner Stehaufweibchen Community noch wird, fest steht, an welchen Werten ich mich orientieren und welche Haltung ich einnehmen werde. Dazu ist es natürlich erforderlich, dass man sich selbst, seine Werte und womöglich auch seinen Zweck der Existenz (seine Lebensaufgabe) kennt. Deshalb unterstütze ich in meiner Community Frauen dabei, diese essentiellen Erkenntnisse für sich zu entdecken und sich damit auf ihren individuellen Weg zu machen.

Schau auf dich, die Welt braucht dich.

Deine Susi, das Stehaufweibchen