Natürlich lässt sich diese Frage nicht pauschalisieren, doch bereits die Historie der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Phänomen Burnout zeigt, dass es einige Berufsgruppen gibt, die eher von Burnout betroffen sind als andere. Denn die meisten wissenschaftlichen Studien zu Burnout gibt es zu bestimmten Berufsgruppen.
 
Dazu zählen vor allem Berufe mit hoher sozialer Verantwortung, Helferberufe und Pädagoginnen. Darunterfallen u.a.:
 
  • Ärzte
  • Pflegepersonal
  • Polizisten
  • Lehrer und andere Pädagogen
  • Manager
  • Projektleiter
  • Sozialarbeiter

Doch wieso sind diese Berufsgruppen stärker betroffen als andere?

Hier spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Zum einen sind dies alles Berufe, in denen Menschen sehr eng in Kontakt mit anderen Menschen stehen. Und das oft in herausfordernden oder unangenehmen Situationen. Das bedeutet, diese Menschen müssen lernen, sich abzugrenzen von den Problemen, Emotionen und Aussagen anderer Menschen, mit denen sie tatgtäglich interagieren. Das ist nicht immer leicht, zumal viele ja ihren Beruf ergriffen haben mit dem Wunsch, den Menschen zu dienen und Gutes zu tun.
 
Das ist auch schon der nächste wesentliche Faktor. Menschen, die sich für eine der genannten Berufsgruppen entscheiden, wollen in aller Regel helfen oder etwas bewegen. Sie sind bereit Verantwortung zu übernehmen – und das nicht nur für sich selbst. Ganz egal, ob es hier nun um Leben und Tod geht, um Gerechtigkeit oder darum, dass die Kinder von heute das Rüstzeug mitbekommen, um die Welt von morgen zu gestalten. Oder ob sich jemand dazu entschlossen hat, in einem Managerjob dafür zu sorgen, dass Unternehmen profitabel sind und andere Menschen gute Jobs haben, die ihnen ihr Einkommen sichern.

Vielfach sind diese Personen in ihrem Gebiet auch besonders ehrgeizig. Sie wollen viel erreichen. Für sich in ihrer persönlichen Entwicklung und eben für andere, jene Menschen, für die sie tätig sind oder mit denen sie zusammenarbeiten.
 
Das klingt erstmal nach erfüllenden Jobs, die einen intrinsisch motivieren und für die sich Menschen begeistern können. Das ist auch richtig. Viele von diesen Berufsgruppen brennen für das, was sie tun. Doch dieses Feuer wird auf eine harte Probe gestellt durch die Herausforderungen des Alltags, dem begrenzten Handlungsspielraum und beschränkende Systemen sowie der mangelnden Bereitschaft der betroffenen Menschen, denen man helfen und Gutes tun möchte.
 
Nicht selten müssen ambitionierte junge Menschen, die sich für einen dieser Berufe entscheiden, im Laufe ihrer ersten Berufsjahre feststellen, dass ihre hohen Ideale und Ansprüche an die Qualität ihrer eigenen Arbeit nicht zusammenpassen mit den Anforderungen und den Rahmenbedingungen des Alltags in ihrem Job. Das frustiert enorm. Und an dieser Stelle entscheidet sich oft, wer in ein Burnout rutscht und wer nicht.
 
Jene Personen, die für sich Bewältigungsstrategien entwickelt haben, wie sie mit diesem Frust konstruktiv umgehen und ihre Erwartungen an sich und ihr berufliches Umfeld anpassen können, so dass es weniger zu Frusterlebnissen kommt, laufen weniger Gefahr in ein Burnout zu rutschen. Wirklich gefährlich wird es für jene, bei denen dieser Dauerfrust dazu führt, dass sie beginnen an sich selbst zu zweifeln und bei denen der Selbstwert angekratzt wird. Denn sobald unser Selbstwert bedroht wird, läuten in unserer Psyche die Alarmglocken.
 
Unsere Psyche hat größtes Interesse daran, unseren Selbstwert zu schützen. Ohne oder mit geschwächtem Selbstwert sind wir deutlich unsicherer und halten uns selbst für weniger handlungsfähig. Das schränkt enorm ein und baut zusätzlichen Frust auf. Der Teufelskreis beginnt.
 

Doch wieso führt das zu Burnout?

Meistens beginnt es damit, dass die betroffenen Personen versuchen durch noch mehr Leistung das Ungleichgewicht zwischen ihren Ansprüchen und der Realität auszugleichen. Das muss zwangsläufig erschöpfen, speziell dann wenn dadurch nicht mehr Erfolgserlebnisse, die Befriedigung verschaffen und für die Mehrleistung entlohnen, produziert werden können. Diese Menschen rackern sich buchstäblich ab und bekommen vergleichsweise wenig dafür zurück.
 
Das geht solange gut, solange man das irgendwie kompensieren kann. Doch Menschen, in deren Leben der Beruf einen hohen Stellenwert hat, fällt das deutlich schwerer. Ich bin zum Beispiel ein solcher Ausbrennertyp. Für mich hat neben meiner Partnerschaft mein Beruf den höchsten Stellenwert in meinem Leben, weshalb ich massiv darunter leide, wenn mich mein Job nicht erfüllt.
Ich bin schon einige Male in meinem Leben an einem solchen Punkt gewesen und musste dann radikale Entscheidungen treffen, nachdem ich alles versucht hatte, um die Situation zu verändern/ zu verbessern. Ich musste den Job oder sogar das Unternehmen wechseln. Für mich war wesentlich, dass ich einen Sinn in meiner Arbeit und sah ich mich mit meinem Tun im Job stark verbinden (committen) konnte. Wenn diese Verbindung nicht vorhanden war, dann begann das Feuer in mir zu erlöschen und ich wurde immer unrunder.
 
Über die verschiedenen Phasen von Burnout spreche ich gerne mal in einem eigenen Artikel. Nur so viel vorweg: es fängt oft ganz harmlos und wenig dramatisch an. Und je nachdem wie gut man sich selbst und seine Grenzen kennt, gelingt es einem, noch das Schlimmste – einen Zusammenbruch – zu verhindern. Viele brauchen diesen Zusamenbruch jedoch erst, um überhaupt aufzuwachen und zu erkennen, dass sie sich die längste Zeit etwas vorgemacht haben.
 
Zum Abschluss möchte ich gerne noch sagen, dass es nicht nur am Beruf und den dort erlebten nicht adäquat verarbeitbaren Frusterlebnissen liegt, wieso Menschen in ein Burnout rutschen. Auch Personen, die vermeintlich ohne Job sind, wie zum Beispiel Mütter, die sich dazu entschlossen haben, bei ihren Kindern daheim zu bleiben, oder Personen, die Angehörige pflegen, können genauso von dieser Form der Erschöpfung betroffen sein. Denn auch sie sind den gleichen Risiken ausgesetzt.
 
Sie opfern sich regelrecht auf und ihr Verdienst dafür steht absolut in keiner Relation zur erbrachten Leistung und ihrem persönlichen Engagement. Das ist nicht leicht zu kompensieren. Weshalb es so wichtig ist, dass Dankbarkeit und Wertschätzung in unseren Familien kultiviert werden. Denn es ist keineswegs selbstverständlich, dass eine Frau ihre eigenen Träume und Pläne für die Familie und die Kinder aufgibt oder hinten anstellt. Und sich dann aufopfernd der Erziehung und der Begleitung der heranwachsenden Wesen widmet, damit diese einen möglichst guten Start ins Leben haben.
 
Genauso wenig wie es selbstverständlich ist, dass vorwiegend Frauen ihr eigenes Leben auf Eis legen, um auf unbestimmte Zeit voll und ganz für einen pflegebedürftigen Angehörigen da sein zu können. Die Ungewissheit, für wie lange diese Verpflichtung eingegangen wird, kommt hier zusätzlich noch als erschwerender Faktor hinzu.
 
Zeigt eure Dankbarkeit und seid wertschätzend jenen Menschen gegenüber, die euch dienen und euch Gutes tun. Die sich den Ar… für euch aufreißen und jederzeit bereit sind für euch eine Extrameile zu gehen. So kann jeder von uns dazu beitragen, dass Burnout eingedämmt wird. Es gibt noch deutlich mehr zu tun, keine Frage, das ist jedoch etwas, das wirklich jeder positiv zur Burnout-Prävention beitragen kann.
 
Schau auf dich, die Welt braucht dich!
 
Alles Liebe
Deine Susi, das Stehaufweibchen