Selbstvertrauen ist eines der Grundpfeiler der Stehaufweibchen Qualitäten. Wenn Leute den Begriff Selbstvertrauen hören, haben sie jedoch nicht immer gleich das selbe Bild dazu im Kopf.
 
Für viele wird das Vertrauen in sich selbst mit Selbstbewusstsein oder Selbstsicherheit gleichgesetzt bzw. synonym verwendet. Ich sehe Selbstvertrauen als Vorstufe davon, quasi als die Basis von Selbstsicherheit. 
 
Während Selbstbewusstsein für mich mehr ein Sich-seiner-Selbst-bewusst-Sein ist. Sprich: Ich weiß, wer ich bin, da ich mir meiner Fähigkeiten, Stärken und meiner Werte bewusst bin. 
 
In diesem Blogartikel soll es jetzt vorrangig um Selbstvertrauen, seine Bedeutung für uns und ein selbstbestimmtes, erfülltes Leben gehen. Ich möchte darüber schreiben, wieso Selbstvertrauen eine der Basisqualitäten für waschechte Stehaufweibchen ist. Es bildet zusammen mit Selbstbewusstsein und Selbstwert in meinem Stehaufweibchen-Modell, das die Form eines Hauses hat, den Keller. Somit also die solide Basis, die es braucht, um ein stabiles Haus zu bauen. Das Fundament. 
 
Und ich möchte darüber schreiben, wie man sein eigenes Selbstvertrauen aufbauen kann. Denn leider hat nicht jeder das Glück gehabt, in seiner prägenden frühen Kindheit das Urvertrauen in sich selbst gestärkt zu bekommen. Einige von uns haben stattdessen immer wieder zu hören gekriegt, dass sie das eh niemals schaffen können oder eh zu nichts taugen. 
 
Sprüche dieser Art prägen sich als Glaubenssätze in unserem Gehirn ein, nisten sich in unserem Unbewusstem ein, von wo aus sie dann unsere Sicht auf die Realität und unser Leben als Erwachsene stark beeinflussen. Oft unbemerkt, jahrelang. Bis wir irgendwann, meist aufgrund von schmerzhaften Erfahrungen oder unerfüllten Sehnsüchten, zu ergründen versuchen, wieso wir unseren Zielen kein Stück näher kommen – selbst bei großer Anstrengung. 
 
In meiner Coachingpraxis erlebe ich das sehr oft, dass großartige talentierte Frauen sich für minderwertig oder nicht gut genug halten. Sie zweifeln bei ganz alltäglichen Situationen an sich. Sie trauen sich nichts zu. Während sie gleichzeitig von Traumprinzen und einem Leben auf der Showbühne träumen. 
 
Tja, ohne Selbstvertrauen bleibt es auch beim Träumen. Denn sie werden blockiert von ihren Glaubenssätzen und unbewussten Mustern und ihre Ziele niemals wirklich angehen. Oder sich auf dem Weg immer wieder selbst sabotieren. 
 
Zum Thema Selbstsabotage werde ich gerne mal einen eigenen Artikel verfassen. Das würde hier sonst den Rahmen sprengen. 

In welchen Lebensbereichen spielt Selbstvertrauen eine Rolle?

Ich möchte hier mit einer Gegenfrage antworten: In welchem spielt es keine Rolle? 

Meiner Erfahrung nach und das bestätigte sich auch in der Fachliteratur bzw. den Ratgebern, die ich zu diesem Thema gelesen habe, wirkt sich ein Mangel an Selbstvertrauen auf alle unsere Lebensbereiche aus. 
 
Stellen wir uns nur mal vor, wir bewerben uns für einen verantwortungsvollen und spannenden Job, trauen uns diesen insgeheim jedoch gar nicht zu. Wie wahrscheinlich ist es, dass uns ein Arbeitgeber vertraut, wenn wir uns selbst nicht vertrauen? 
 
Was macht es mit uns in unserer Partnerschaft, wenn wir einen Mangel an Selbstvertrauen haben? Hier könnte es z.B. sein, dass wir unbewusst einen dominanten Partner auswählen, der uns all die Verantwortung für unser Leben abnimmt. Der also Entscheidungen für uns trifft. Jemand, der für uns entscheidet, was das Beste für uns ist. 
 
Dabei kann niemals jemand besser wissen, was wir brauchen oder was uns guttut als wir selbst. Es wird also immer unbefriedigend bleiben, wenn wir unsere Lebensverantwortung abgeben. Ich habe persönlich noch nie erlebt, dass das gut gegangen ist. Hier sind Konflikte vorprogrammiert. 
 
Nachdem Menschen mit einem Mangel an Selbstvertrauen zudem oft nicht dazu in der Lage sind, ihre Bedürfnisse klar zu identifizieren und zu artikulieren, tun sie sich in solchen Konstellationen doppelt schwer. Da überrascht es nicht, dass es öfter mal zu unkontrollierten emotionalen Ausbrüchen kommt, die sich keiner der Beteiligten so richtig erklären kann.
 
Nicht selten wird man dann als Betroffene als Sensibelchen oder als jemand, der nicht weiß, was er will, abgestempelt. Und das nicht zu Unrecht. 
 
Völlig egal, was wir im Leben erreichen möchten, wenn wir uns nichts zutrauen, werden wir niemals die dafür erforderlichen Schritte außerhalb unserer Komfortzone machen. Doch genau das ist erforderlich, wenn wir wo hinwollen, wo wir heute noch nicht sind. Keine Zielerreichung möglich ohne Selbstvertrauen.
 

Das Rezept für mehr Selbstvertrauen

So gerne ich dir jetzt erzählen möchte, dass es eine Wunderpille gibt oder eine schnelle Methode, mit der du über Nacht oder innerhalb weniger Tage dein verschollenes Urvertrauen in dich wiedererlangen kannst – es wäre eine Lüge. 
 
Genauso wie es ein Prozess war, in dem du dein Selbstvertrauen verloren hast, ist es auch ein Prozess, es wieder aufzubauen. Wir alle sind mit einem Urvertrauen ausgestattet auf diese Welt gekommen. Und abhängig davon, wie sehr unser Vertrauen in uns und unsere Fähigkeiten in der Kindheit gestärkt und trainiert wurde, desto besser konnte sich unser Selbstvertrauen entwickeln.
 
Bei Kindern kann man dieses Selbstvertrauen ganz leicht beobachten. Wenn sie z.B. das Laufen lernen. Sie lassen sich hier nicht davon entmutigen, dass sie nicht gleich zum Ziel kommen. Sie akzeptieren den Weg dorthin und auch die Tatsache, dass sie dafür ihre Komfortzone verlassen müssen. Raus aus der Krabbelhaltung, rauf in den aufrechten Stand. Der zu Beginn noch seeeehr wackelig ist. 
 
Dieses Urvertrauen in dich selbst gilt es also wieder hervorzuholen. Denn es ist nie ganz verschwunden, du hast nur deinen Zugang dazu verloren.
 

Selbstvertrauen als Basis für Resilienz

Den Resilienzbegriff hast du sehr wahrscheinlich bereits einmal gehört. Auch er wird nicht von allen Menschen gleich aufgefasst. Vereinfacht ausgedrückt (und damit wollen wir uns hier erstmal begnügen) ist Resilienz unsere Widerstandskraft und die Fähigkeit, flexibel auf die Anforderungen des Lebens reagieren zu können. In Zusammenhang mit Krisen-Meistern wird auch gerne von Resilienzfaktoren gesprochen. Resiliente Menschen tun sich beim Meistern von Krisen einfach leichter. 
 
Dafür muss man sich aber auch erstmal zutrauen, dass man (schwierige) Situationen meistern kann. Sich überhaupt erstmal auf das Leben mit seinen Herausforderungen einlassen. Ohne Selbstvertrauen ist das nicht möglich. Ich denke, da sind wir uns einig. 
 
Ohne Selbstvertrauen sind wir darauf angewiesen, was uns unser Reptiliengehirn in Stresssituationen rät. Und das kennt nur 3 Strategien: Flucht, Angriff oder Totstellen. Wir sind hier also weit weg von unserer Spezies gerechtwerdenem analytischen Denken und intellektuellen Auseinandersetzungen mit komplexen Situationen. Und genauso weit weg sind wir von logischen Entscheidungen. Denn zu denen sind wir, gesteuert vom Reptiliengehirn, gar nicht in der Lage. 

Wirklich Spaß macht das Leben jedoch erst, wenn wir uns voll und ganz darauf einlassen können. Sprich, wenn wir uns trauen, uns auf neue Abenteuer und ungewohntes Terrain zu begeben. Wünschst du dir das denn nicht auch? Hast du auch unerfüllte Wünsche, weil du dir nicht zutraust, diese je erreichen zu können und deshalb gar nicht erst losgehst?  

„Es gibt mehr Menschen, die gar nicht erst anfangen, als Menschen, die scheitern.“ 

 Wie schon Henry Ford sagte: „Es gibt mehr Leute, die kapitulieren, als solche, die scheitern.“

Krisen meistern und Ziele erreichen

Es ist eine Tatsache, dass jemand, der kein Selbstvertrauen hat, auch gar nicht erst anfängt, die notwendigen ersten Schritte zu gehen, um seine selbst gesteckten Ziele zu erreichen oder seine Träume zu verwirklichen. Sie starten gar nicht erst los. Das ist ein unglaublich frustrierendes Gefühl. Und wie ich bei meinen Coachees immer wieder beobachten kann: Wenn Menschen ihr Potenzial nicht ausleben, nicht materialisieren können, dann rutschen sie in tiefe Sinnkrisen, aus denen sie ohne Selbstvertrauen nicht rauskommen können.

Somit führt ein Mangel an Selbstvertrauen früher oder später immer zu Krisen und sehr wahrscheinlich dazu, dass man sich selbst und den Sinn im eigenen Leben hinterfragt. Das kann bis zur Depression führen. 

Die gute Nachricht:

Selbstvertrauen kann aufgebaut werden. Das kann tatsächlich jeder! Denn das Prinzip, wie es gefüttert werden kann, ist für uns alle gleich. Wir brauchen entsprechende positive Erfahrungen, die uns in unseren Fähigkeiten und Kompetenzen bestätigen. Die uns darin bestätigen, dass wir, wenn wir es uns vornehmen, es auch machen können. 

Ich habe dazu letztens eine großartige Übung bei Veit Lindau gesehen, die ich gerne mit dir teilen möchte. Fang am besten sofort nach dem Lesen dieses Artikel damit an. Ich verspreche dir, auch wenn es sich im ersten Moment voll seltsam und verrückt anfühlt, es macht richtig Laune und viel Spaß, wenn man sich darauf einlässt. 

Los geht’s: 

Völlig egal, was du heute noch machst, mache dir bewusst, dass du mit Absicht (also eine bewusste Entscheidung treffend und wollend) jede deiner Aktivitäten angehst. Ob das nun das Lesen dieses Blogartikels ist, die Nutzung der Toilette, das Zubereiten des Abendessens, der Weg mit dem Bus in die Arbeit, das Sonnenbaden auf der Terrasse, das Einkaufen eines Geschenks für einen Freund … aber auch so triviale Dinge, die wir als selbstverständlich betrachten wie „ich setze mich jetzt auf diesen Stuhl“, „ich gehe jetzt auf die Toilette“, „ich trinke jetzt dieses Glas Wasser“, „ich lächle jetzt meine Kollegin an“ usw. 

Sobald du die Handlung, derer du dir nun total bewusst bist, durchgeführt hast, feierst du dich dafür. „Hey, ich kann mich hinsetzen“, „hey ich kann die Toilette benutzen“, „hey, ich kann trinken“. Klingt albern? Aber es wirkt. Und ich werde dir erklären wie(so). 

Kompetenz aufbauen

Wenn wir etwas Neues lernen, durchlaufen wir vier Stufen:

  • Unbewusste Inkompetenz
  • Bewusste Inkompetenz
  • Bewusste Kompetenz
  • Unbewusste Kompetenz

Zuerst ist uns nicht klar, dass es da etwas gibt, das wir nicht können. Sobald wir es wissen, rückt es in unser Bewusstsein. Und dann entscheiden wir in aller Regel, ob wir ein Interesse daran haben, hier Kompetenz aufzubauen. Wenn wir damit starten, eine neue Fertigkeit zu lernen, sprechen wir hier vom Entwickeln von bewusster Kompetenz. Irgendwann können wir etwas dann so gut, dass wir es völlig automatisch, ohne darüber nachdenken zu müssen, machen.

Denk nur mal ans Autofahren oder ans Schreiben. Du musst hier nicht mehr bewusst darüber nachdenken, wie du das machst. Du fängst einfach an und es läuft völlig automatisiert, ohne große Anstrengung ab. Das ist dann die unbewusste Kompetenz, der Idealzustand.

Wir sind uns also unserer meisten Kompetenzen gar nicht bewusst. Und mit dieser Übung von Veit Lindau kannst du dir bewusst machen, wie viel du kannst und bereits bis zur unbewussten Kompetenz gebracht hast. Das fühlt sich richtig gut an und stärkt dein Selbstvertrauen. 

Diese spaßige Übung ist natürlich nur ein erster Schritt. Um Selbstvertrauen aufzubauen, ist es notwendig, sich selbst vor (zunächst) kleine Herausforderungen zu stellen, für die man die eigene Komfortzone verlassen muss. Beispielsweise einen Anruf erledigen, den man seit Wochen aufschiebt. Oder ein klärendes Gespräch führen, dass schon längst überfällig ist und an einem nagt. Es kann aber auch so etwas sein, wie die Glühbirne im Badezimmer austauschen, die seit Monaten kaputt ist. Oder den Techniker kontaktieren, der die seit Wochen defekte Waschmaschine repariert – weshalb man jede Woche mindestens einmal mit der gesamten Schmutzwäsche durch die halbe Stadt zu den Eltern fährt, um dort die Wäsche zu waschen. Vielleicht willst du schon die längste Zeit einen Freund anrufen, der dir dabei hilft, deinen Drucker zu installieren oder deinen Laptop neu aufzusetzen, der schon gefühlt seit einer halben Ewigkeit nicht mehr richtig funktioniert. 

Fang einfach mal an. Nimm dir eine kleine Aufgabe dieser Art vor und mach es einfach. Denk nicht groß darüber nach. Gib deinen inneren Zweiflern gar nicht erst die Chance dazu, sich einzumischen und dich davon abzuhalten. Wenn du hörst, dass Stimmen hochkommen wollen, nutze die Technik von Mel Robbins (5 Second Rule). Zähle von 5 rückwärts bis 1. „5, 4, 3, 2, 1“ Mit dieser einfachen Technik zwingst du dein analytisches Gehirn dazu, sich einzuschalten, sprich, du entmachtest dein Reptiliengehirn sowie dein vielleicht Angst auslösendes limbisches System. Und dann sagst du dir sowas wie „ich mach das jetzt einfach!“ UND (ganz wichtig!) legst sofort los. Nicht warten, sofort anfangen. 

Ich habe auch einen Coachee, die bei sich zuhause oft im Chaos erstickt. Sie hat sich irgendwann man angewöhnt, sich nur 15 Minuten zu nehmen, nicht mehr, und diese dafür zu nutzen, um Ordnung zu schaffen oder für Sauberkeit zu sorgen. Und sie ist immer wieder erstaunt, wie viel man in nur 15 Minuten schaffen kann. Das sind extrem befriedigende kleine Erfolge, die sie sich ganz easy jeden Tag selbst verabreichen kann. Sie muss es einfach nur tun. 

Wenn du dann einmal gesehen und erlebt hast, und das wirst du 😉, wie gut sich das anfühlt und dass da eigentlich gar nichts Schlimmes passiert, im Gegenteil: meistens sind diese Erfahrungen dann sogar überraschend positiv, wirst du von alleine immer mutiger werden und dich an immer größere Aufgaben heranwagen.  

Ein kleiner Tipp: 

Wenn man hier mal „Blut geleckt“ hat und immer mehr von diesem befriedigenden Gefühl haben möchte, wird man auch schon mal übermütig und wagt sich an Dinge heran, wo man – klar ohne Übung – nicht sofort Erfolge sieht, sondern womöglich zuerst sogar mal richtig schlecht ist. Das ist vor allem dann der Fall, wenn wir etwas Neues erlernen oder neue Gewohnheiten in unseren Alltag integrieren wollen. Das dauert. Es braucht seine Zeit. Wie oben bereits erwähnt, muss man mindestens 24 Stunden investieren. Und für neue Gewohnheiten, so heißt es, braucht es ca. 66 Wiederholungen (in kurzen Abständen, also z.B. täglich), bevor diese in Fleisch und Blut übergehen. Diese Zeit musst du dir geben, das müssen wir alle, das sind Regeln, die für uns Menschen generell gelten. Du bist deshalb weder unfähig noch dumm. Du bist einfach ein Mensch. 

Ein weiterer Weg, um das eigene Selbstvertrauen aufzubauen, ist es sich von jenen ungünstigen und schädlichen Glaubenssätzen zu verabschieden, welche sich im Laufe unserer Kindheit in unserem Gehirn eingebrannt haben und dort nun auf unsere heutige Realität Einfluss nehmen. Wie Glaubenssätze entstehen und wie man diese „neutralisieren“ kann bzw. durch neue, günstige und motivierende austauschen kann – dazu dann mehr im nächsten Blogartikel.  

Denk immer daran: du bist einzigartig und wertvoll. Es wäre zu schade, wenn du dein Potenzial ewig unter Verschluss hältst. Zeig’ dich uns. Du bist nicht alleine, wir, die Stehaufweibchen Community, begleiten dich auf deinem Weg. 

Alles Liebe,
Deine Susi, das Stehaufweibchen