Angeblich haben bereits zwei Drittel aller Beschäftigten schon einmal Mobbing am Arbeitsplatz erlebt. Und für über 40% ist dies aktuell an ihrem Arbeitsplatz ein Thema. 

Grundsätzlich kann Mobbing jeden treffen. Doch es gibt Untersuchungen, die darauf hindeuten, dass ältere Personen in Unternehmen häufiger gemobbt werden. 

Leider haben viele Betroffene zu große Angst davor, die Situation für sich noch weiter zu verschlimmern und holen sich daher selten Unterstützung innerhalb des Unternehmens. In Befragungen geben jedoch die meisten an, sich zur Wehr zu setzen. Wenn jedoch keine pro-aktive Unterstützung von anderen beobachtenden Kollegen kommt, ist diese Zurwehrsetzung selten von Erfolg gekrönt. 

Und leider sind Mobbing-Geschichten meistens Gruppenaktivitäten, sprich, eine ganze Gruppe verschwört sich gegen einen Kollegen. Da gibt es dann selten neutrale Beobachter, die sich für den Betroffenen stark machen könnten. 

Es gibt auch Jobsituationen, in denen Teammitglieder im Mobbing ihre einzige Chance sehen, einen Kollegen loszuwerden, der die Leistung des Teams gefährdet oder sozial unverträglich ist. Mir hat ein Betroffener von einem Fall, in dem eine unkündbare Person nur noch auf diese Weise “bekämpft” werden konnte. Da sprechen wir jedoch von einem Menschen, der von sich aus seinem Team bewusst geschadet hat und gegen den sich das Team mit Mobbing zur Wehr setzte – in der Hoffnung, dass dies den Angreifer vertreibt. 

Eine Situation, die ich mir sehr schwierig vorstelle. Und die auch die eigenen Moralvorstellungen in Frage stellt. Leider nehmen sich die wenigsten in so einer Situation einen professionellen Klärungshelfer, der zur Klärung der Situation beiträgt. Denn im Grunde agieren die meisten Menschen nicht aus Boshaftigkeit heraus, sondern es gibt immer eine tieferliegende Ursache. Oft sind es Ängste und ein schwaches Selbstwertgefühl, die Menschen so “boshaft” erscheinen lassen. Und wenn man einen Zugang zu den Gefühlen und Bedürfnissen eines solchen Menschen bekommt, kann es hier womöglich sogar zu einem Happy End kommen. 

Ich selbst hatte zum Glück nie Erfahrung mit Mobbing, Bossing oder Intrigen schmiedenden Kollegen gemacht. Kenne jedoch einige Frauen, die darunter so stark gelitten haben, dass sie schlussendlich gezwungen waren, ihren Job aufzugeben. Die beiden Beispiele, auf die ich hier näher eingehen möchte, haben einen Job, den sie sehr gerne und aus Leidenschaft machten, aufgegeben. Was ihnen gewiss nicht leicht gefallen ist.

Das weniger schreckliche von beiden Beispielen endete damit, dass sich die Betroffene dafür einsetzte, einen Sozialplan (eine Art Sonderabfertigungsregelung mit speziellen Unterstützungskonditionen) von ihrem Arbeitgeber zu bekommen. Mit dieser finanziellen Absicherung war es ihr dann möglich, nach und nach eine finanzierte Umschulung zu machen und sich ihre Selbstständigkeit aufzubauen.

Man könnte sagen, sie hat das Beste aus dieser hässlichen Situation gemacht. Gegen die Intrigen ihrer Kollegen war sie machtlos. Zuerst noch versuchte sie, diese zu ignorieren, doch es wurde immer klarer, dass die Intriganten es darauf abgezielt hatten, ihr zu schaden – ihre Arbeit zu sabotieren, ihren Ruf zu schädigen und sie bei der Chefin oder anderen Kollegen anzuschwärzen.

Und obwohl sie sehr gerne in diesem Unternehmen arbeitete und dort quasi ihren Traumjob hatte, musste sie sich eingestehen, dass sie keine attraktiveren Optionen hatte. Ein interner Jobwechsel hätte bedeutet, dass sie beim Job zu große Abstriche hätte machen müssen. Und somit blieb nur ein Exit-Szenario als beste Option. Diesen Schritt wagte sie jedoch auch nur, weil die Idee mit dem Sozialplan aufging.

Das zweite Beispiel verlief leider nicht so gut. Die betroffene Frau war bereits fast 50 und wurde so stark von den Kollegen gemobbt, dass irgendwann sogar die Führungskraft unreflektiert mitmachte – in diesem Fall spricht man dann von Bossing.

Die Folge waren Jobverlust und ein Burnout. Nachdem die Kündigung bereits ausgesprochen war, erkannte die Führungskraft ihre Fehleinschätzung und bedauerte, was vorgefallen war. Hier war jedoch keine Basis mehr für einen Neustart. Das Vertrauen war komplett hin. Und die Betroffene war völlig fertig.

Leider gab es hier keinen Golden Handshake und somit wurde sie von der brutalen Realität am Arbeitsmarkt konfrontiert. Niemand stellt eine erfahrene und überqualifizierte 50-Jährige ein, schon gar nicht, wenn sie bislang vorwiegend für öffentliche Ämter tätig war. Quasi gleich doppelt abgestempelt. Alt und arbeitsunwillig. Dabei war sie alles andere als das, was man ihr aufgrund ihres Alters und ihrer beruflichen Laufbahn unterstellte. Zu Bewerbungsgesprächen wurde sie aber noch nicht mal eingeladen. Und persönliche Gespräche waren schwer zu bekommen.

Diese Geschichte endete leider in einer schweren Depression mit allen möglichen unschönen Konsequenzen. Ich möchte hier ungern weiter ins Detail gehen.

Die brutale Wahrheit ist – so ungerecht dies auch sein mag – bei Mobbing und Bossing gibt es für die Betroffenen selten eine andere Lösung als jene, zu gehen. Wichtig dabei wäre jedoch eine psychologische Begleitung. Denn eine solche abwertende Behandlung tut ja was mit einem. Selbst wenn man ein starker Mensch mit einem gesunden Selbstwertgefühl ist, fühlt man sich in einer solchen Situation hilflos und an die Wand gedrückt.

Im schlimmsten Fall schädigt das nachhaltig das Selbstvertrauen und man nimmt dieses Gefühl der Hilflosigkeit z.B. in den nächsten Job mit. Das kann zu einem hässlichen Teufelskreis werden. Daher bitte unbedingt professionelle psychologische Hilfe in Anspruch nehmen. Niemand muss sowas alleine durchstehen!

Es ist ganz entscheidend, zu erkennen, dass dieses Mobbing-Verhalten mehr über die Mobber als über den Betroffenen aussagen. Diese distanzierte Betrachtung ist für Betroffene, die oft eingeschüchtert und eben hilflos sind, nicht leicht. Es ist jedoch wesentlich, sich dessen bewusst zu sein, um den eigenen Selbstwert zu schützen.

Schau auf dich, die Welt braucht dich!

Alles Liebe
Deine Susi, das Stehaufweibchen