In dieser Woche drehte sich in der Stehaufweibchen Community alles um das Thema Antriebslosigkeit und wie man diese überwinden kann.
 
Antriebslosigkeit ist eine der Hauptprobleme, mit denen Burnout-Betroffene nach ihrem Zusammenbruch zu kämpfen haben. Und nachdem der Körper zu der Zeit besonders erschöpft ist, glauben viele Betroffene natürlich, es mache Sinn, diesem Gefühl des Nichtstun-Wollens, der Antriebslosigkeit nach zu geben. Denn so entspannen sie sich, so regenerieren sie, so erholen sie sich.
 
Tja, leider ist das nicht ganz so einfach und auch zu kurzfristig gedacht. Denn klar ist Erholung und Regeneration jetzt wichtig. Aber genauso wichtig ist es jetzt, sein Leben neu auszurichten. Und dafür braucht es Antrieb, dafür müssen Aktivitäten gesetzt werden, dafür muss man sich engagieren, sprich, man muss seinen Arsch hochkriegen.
 
In meinen Videos in der Stehaufweibchen Community auf Facebook habe ich diese Woche erzählt, wie man den eigenen Antrieb aktivieren und stärken kann:
  • Dopamin fördern durch Bewegung, das Hören deiner Lieblingsmusik, kreative Tätigkeiten, die dich in den Flow-Zustand versetzen und die eigenen kleinen Erfolge sichtbar machen (z.B. durch eine ToDo-Liste, auf der man einen erledigten Punkt nach dem anderen abhaken kann)
  • Die eigenen Motivatoren kennenlernen (die 7 Motivationsdimensionen nach Dr. Eduard Spranger)
  • Wie funktioniert das mit der Motivation (Einblick in das limbische System, negative und positive Motivation)

Negativmotivation

Das bedeutet, wir erleben großen Schmerz oder haben Angst vor etwas, so dass wir motiviert sind, etwas zu verändern, also in die Aktion zu gehen. Unsere Motivation kommt dann daher, dass wir eine bestimmte Konsequenz verhindern wollen oder etwas loswerden wollen, das Schmerz oder Angst verursacht.
Wenn ein starker Raucher plötzlich Angst hat, nachdem der eigene Onkel an Lungenkrebs gestorben ist, dass er selbst auch einen solchen schmerzhaften und frühen Tod erleiden könnte, könnte ihn das ausreichend motivieren, mit dem Rauchen aufzuhören. Der Wille und die Bereitschaft etwas zu ändern sind da und das abschreckende Bild, welches durch die Angst vor diesem schmerzhaften Tod ausgelöst wird, motiviert dazu, diese notwendigen Änderungen durchzuziehen.
Auch immer wieder zu beobachten: Partner, die erst aufwachen und aktiv werden, wenn sich ihr Partner von ihnen trennt. Erst dann ist der Schmerz so groß, dass sie bereit sind, an sich zu arbeiten und etwas für die Beziehung zu tun.
Leider braucht es für viele Menschen diese Art der Negativmotivation, um in die Gänge zu kommen. Du kennst sicher den Spruch:
Wenn der Schmerz noch nicht groß genug ist, bewegt sich niemand.
Dieses Phämomen kann man überall in unserer Gesellschaft beobachten. Veränderung findet erst dann statt, wenn der Schmerz groß genug ist oder wenn einem z.B. droht, etwas Wichtiges oder Wertvolles zu verlieren. Frag dich einfach einmal selbst, wo das in deinem Leben heute schon so ist? Wo ist der Schmerz oder die Angst noch nicht groß und stark genug, um dich dazu zu motivieren, eine Veränderung anzugehen?
Besonders häufig beobachte ich dies in Beziehungen, die längst zu echten Energieräubern geworden sind und dennoch nicht beendet werden. Einfach weil der Schmerz noch nicht groß genug ist. “Na so schlimm ist es ja eh nicht. Und es ist doch irgendwie auch bequem, wir kennen einander ja schon.”

Viele bleiben auch viel zu lange in Jobs, die sie unglücklich und krank machen. Denn es dauert, bis hier der Schmerz groß genug wird – oft erst durch körperliche Beschwerden getrieben – und die Betroffenen Veränderungen aktiv angehen.

 

Positivmotivation

Neben der Negativmotivation gibt es natürlich auch noch die Positivmotivation. Die – leider – aus meiner Sicht mit meinen Coachees nicht so gut greift. Die Herausforderung der Positivmotivation ist es, dass sie ein positives Visionsbild von dem braucht, wo man hin möchte, was man erreichen möchte. Denn diese Art der Motivation kommt von einem Wunsch zu einem veränderten, neuen Zustand hin. Wir wollen also nicht vor etwas flüchten oder etwas vermeiden, dass bereits präsent ist für uns in Form von Schmerz oder Angst. Sondern wir wollen zu etwas hin, was es so heute noch nicht gibt.
Und genau darin liegt die Herausforderung mit dieser Art der positiven Motivation. Wir müssen im Hier und Jetzt ein Bild unserer Zukunftsvision erschaffen, welches ähnlich starke Emotionen in uns auslöst, wie es Schmerz und Angst vermögen. Leider beherrschen nicht viele Menschen die Kunst der Visualisierung oder haben diese für sich kultiviert. Wenn man jedoch einmal angefangen hat, mit Visualisierung in Hinblick auf Zielerreichung zu arbeiten, ist dieser Form der Motivation klar der Vorzug zu geben.

Ich selbst arbeite seit Jahren bevorzugt mit der positiven Art der Motivation. Auf diese Weise habe ich bereits große Ziele wie die Raucherentwöhnung oder Abnehmerfolge von über 20kg erreicht. Dabei bin ich immer auf die gleiche Weise vorgegangen: ich habe ein positives Visionsbild geschaffen, welches ich mir jeden Tag vor Augen geführt habe. Es war mein Anker und der Parameter, mit dem ich meine täglichen Entscheidungen getroffen habe. “Soll ich jetzt dieses Stück Kuchen essen?” – Durch Aufrufen dieses starken, emotionsauslösendem Visionsbildes verlor der Kuchen und die damit verbundene kurze Befriedigung komplett an Bedeutung. Es war ein Leichtes, darauf zu verzichten, weil es sich wie ein Gewinn, wie ein Sieg anfühlte – denn es brachte mich meinem Visionsbild ein Stückchen näher.

 

Motivation am Arbeitsplatz

Sicherlich hast du in Zusammenhang mit dem Thema Arbeitszufriedenheit schon davon gehört, dass es in Wahrheit nicht möglich ist, einen anderen Menschen (einen Mitarbeiter) zu motivieren. Der Mitarbeiter muss von sich aus Antrieb und Motivation verspüren, man kann ihm diese Motivation nicht einflößen oder aufzwingen.
Nun haben Arbeitgeber zwei Möglichkeiten, diese Motivation zu fördern.
  • Extrinsisch (durch äußere Faktoren)
  • Intrinsisch (durch innere Faktoren)
Äußere Faktoren können sein:
  • ein gutes Gehalt, Bonuszahlungen
  • Anerkennung und Belobigungen 
  • ein angesehener Status, ein besonderes Image
Alles Dinge, die wir als Belohnung für unsere Leistungen erhalten. Das klingt auf den ersten Blick wie eine geniale Strategie. Nur leider hat sie einen großen Haken: die Motivation lässt sich auf diese Weise nicht langfristig und nachhaltig hoch halten. Denn irgendwann ist das Gehalt nicht mehr gut genug, um motivierend zu wirken. Irgendwann reichen Anerkennung und Belobigungen nicht mehr aus, da sie zur Selbstverständlichkeit geworden sind. Und irgendwann ist auch der erlangte Status nicht mehr motivierend genug, dann braucht es neue, höhere Formen der Anerkennung.
Du siehst schon, hier muss ständig ein Schäufelchen nachgeschüttet werden. Und du wirst später bei den Motivationsdimensionen noch sehen, dass nicht alle Menschen sich durch diese Art von Belohnung motivieren lassen.
Daher setzen kluge Arbeitgeber auf die Schaffung von Rahmenbedingungen und Aufgabenfeldern in ihren Organisationen, die die Mitarbeiterinnen intrinsisch motiviert arbeiten lassen. Wie geht das? Wenn ich weiß, was einen Menschen antreibt, kann ich ihm einen Arbeitsplatz anbieten, der genau das bietet. Dazu hilft es, wenn man die stärksten Motivatoren seiner Mitarbeiterinnen kennt. Und diese werden sehr unterschiedlich sein, denn jeder von uns tickt anders. Das macht es schwierig, für alle die idealen Rahmenbedingungen zu schaffen und stellt Personalabteilungen vor entsprechende Herausforderungen.

7 Motivationsdimensionen

Das Spannende an den hier beschriebenen Motivatoren ist, dass viele von uns glauben, die eigenen Motivatoren zu kennen und dann überrascht sind über das Ergebnis eines Tests (z.B. der Innermetrix-Test), der die tatsächlichen Motivatoren zum Vorschein bringt.
Wenn wir über unsere Motivatoren sprechen, gehen wir oft von den prägenden Motiven aus unserer Kindheit aus. Wenn wir also in einem Zuhause groß werden, in dem Geld und Status einen hohen Stellenwert haben, gehen wir als Erwachsene davon aus, dass auch wir unseren finanziellen und beruflichen Erfolg dem Motivator “Wirtschaftlichkeit” zu verdanken haben. Wenn man jedoch genau hinsieht, stellt man dann oft überrascht fest, dass dies ein angezüchteter Anreiz ist, aber keiner, der uns wirklich von innen heraus antreibt.
Stattdessen treffen wir unsere Jobauswahl aufgrund unserer Möglichkeiten, den eigenen “Individualismus” auszuleben, oder weil wir gerne Einfluss und Macht ausüben können möchten (politisch). Dass damit oft auch ein gutes Einkommen und Status einhergehen, ist ein schöner Nebeneffekt. Aber dafür stehen wir morgens nicht auf, um in die Arbeit zu fahren.
Ich habe beispielweise meinen altruistischen Antrieb lange unterschätzt, weil ich ihn als “unsexy” betrachtet habe. Für mich hatte dieses “Helfersyndrom” einen negativen Beigeschmack, weshalb ich in den letzten Jahren stark versucht habe, mich davon zu distanzieren. Mit Erfolg. Ich wurde im Job unglücklich und frustriert, weil mich andere Motivatoren nicht so stark antreiben können wie der Altruismus.
Ansonsten ist bei mir einer der stärksten Antriebe, mir Wissen anzueigenen und auch zu vermitteln, Dinge zu verstehen und erklären zu können. Und zusammen mit meinem altruistischen Antrieb habe ich daraus die Idee für die Stehaufweibchen Community geboren. Welche derzeit noch ein sehr teures und aufwendiges Hobby ist, das viel Zeit und Energie frisst, reichlich Nerven kostet (besonders, wenn die Technik nicht so will wie ich 😉 ) und verdammt viel von mir abverlangt. Und dennoch bin ich jeden Tag hochmotiviert, hierfür etwas zu tun, Neues zu lernen, meine Komfortzone zu verlassen und mich als introvertierter Mensch ganz offen im Internet zu zeigen.
 
Es macht also DEN Unterschied bei der Zielerreichung, wenn man seine wahren Motivatoren kennt. Ich lade dich daher dazu ein, mal in dich hineinzuspüren, was dich wirklich antreibt. Welche dieser sieben Motivationsdimensionen kickt dich so richtig an?
 
Schau auf dich, die Welt braucht dich.
 
Alles Liebe,
Deine Susi, das Stehaufweibchen