Hattest du auch schon mal eine Erkenntnis und wusstest dann nichts damit anzufangen?

Ich kann mir vorstellen, dass es Menschen gibt, die ihre Berufung für sich entdecken und dann vor dem nächsten großen Rätsel stehen: Wie geht es jetzt weiter? Wie kann ich meine Berufung leben?

Nicht jede entdeckte Berufung lässt sich unbedingt auch beruflich ausleben. Manchmal ist es besser, diese in einem privaten Kontext umzusetzen und dort mit Leben zu füllen. In sehr vielen Fällen -davon gehe ich aus – ist es jedoch tatsächlich möglich, die eigene Berufung als Beruf bzw. im Job zu leben.

Je nachdem, in welcher Form sich dir deine Berufung gezeigt hat, ob als Vision oder als Betätigungsfeld, sehen deine nächsten Schritte anders aus. 

Bei mir war es eine Mischung aus beidem, weshalb für mich schnell klar war, wie ich diese ausleben möchte. Dabei habe ich verschiedene Möglichkeiten. Sprich, sollte ich mit meinem Plan A keinen Erfolg haben, habe ich noch einige alternative Pläne in petto. Ich bin also entspannt und kann mich voller Freude und mit Begeisterung auf den gewählten Weg einlassen. 

Gehen wir mal davon aus, du findest über Teil 1 und 2 der Übung aus dem Blogbeitrag “So findest du deine Berufung” heraus, in welchem Tätigkeitsfeld du deine Berufung gerne ausleben möchtest. Dann wäre der nächste Schritt, dir zu überlegen, wo es konkrete Jobs gibt, um genau das zu tun (Schritt 3). 

Das kann ein Angestelltenverhältnis sein, aber natürlich auch eine Selbstständigkeit oder ein eigens gegründetes Unternehmen. Gibt es das passende Rollenprofil für dein Tätigkeitsfeld bereits? Oder musst du dieses zuerst entwerfen?

Wenn es dieses bereits gibt, umso besser. Dann kannst du dich auf die Suche nach offenen Stellen machen, für die du dich bewerben kannst. Denk dabei immer daran, dass du einen Bonus als Kandidatin für den Job mitbringst: Das ist deine Berufung. Was Besseres kann man sich als Unternehmen kaum wünschen, oder? Daher sollte dieser Mehrwert unbedingt klar herauskommen aus deiner Bewerbung. Sie sollte hervorstechen.

Manchmal ist es schlauer, nicht nach offenen Stellen Ausschau zu halten, sondern nach Organisationen und Unternehmen zu suchen, für die du dich engagieren möchtest. Hier empfehle ich dir, die Unternehmenswerte mit deinem eigenen Wertekompass zu vergleichen. Wenn eure Werte sich überschneiden, hast du die besten Chancen, dich dort vollends und langfristig einbringen zu können. Auch in diesem Fall empfiehlt es sich, deine Initiativbewerbung so zu gestalten, dass sofort der Mehrwert für das Unternehmen hervorsticht. 

BUCHTIPP: The Big 5 for Life (John Strelecky)

Wenn du dich selbstständig machen willst, gilt es als Erstes, herauszufinden, was du dafür alles brauchst, um dies tun zu können. Manche Unternehmen, wie meines z.B., bedürfen wenig Kapital und auch nicht sofort eines Gewerbescheins. Andere wiederum erfordern einen hohen Kapitaleinsatz oder bestimmte gesetzliche Voraussetzungen wie einen Gewerbeschein.

Ich bin als Trainerin nebenberuflich ins Unternehmertum eingestiegen. Sprich, ich fange mal mit dem an, was ich auch von Gesetzeswegen darf und fokussiere mich auf jene Skills, in denen ich die meiste Erfahrung habe. In meinem Fall war das die Trainertätigkeit. 

Ich wollte unbedingt etwas online machen, da ich selbst als Anwenderin wie auch als Anbieterin die Freiheit von zeit- und ortsunabhängiger Bildung sehr schätze. Daher stand auch der Community-Aufbau von Anfang an auf meiner Agenda. Hier hatte ich noch Null Erfahrung und musste somit sehr viel im Bereich Social Media und Technik für Onlinemarketing lernen.

Nebenbei mache ich meine Ausbildung zur Lebens- und Sozialberaterin, um künftig auch 1:1 oder Gruppen-Coachings und Beratungen anbieten zu können. Diese Ausbildung ist in Österreich für den Gewerbeschein erforderlich. Zudem könnte ich mich als Unternehmensberaterin aufstellen, sollte sich hierfür ein spannendes Betätigungsfeld ergeben. Dafür erfülle ich alle Kriterien.

Um mein Unternehmen und die Community erfolgreich aufbauen zu können, war es zudem erforderlich, meine beruflichen Rahmenbedingungen dahingehend anzupassen, dass ich vollen Einsatz bringen konnte, ohne dabei auszubrennen. Jede von euch, die schon mal nebenberuflich eine Ausbildung gemacht hat, wird wissen, wie anstrengend das ist. Nebenher dann auch noch eine Online-Community und ein Business aufzubauen, erfordert dann schon etwas mehr Anpassung an das eigene Selbstmanagement und die Rahmenbedingungen 😉

So kam es, dass ich im Oktober 2019 mein Angestelltenverhältnis auf ein Teilzeitarrangement umgestellt habe (Link zur Story im Podcast), mit dem Schwerpunkt auf meine Trainertätigkeit und dazugehörige Aufgaben. Damit war der Rahmen geschaffen, indem ich mich dem Aufbau widmen konnte und gleichzeitig wertvolle, sinnvolle Arbeit bei – wenn auch deutlich reduziertem – fixem Gehalt bei meinem langjährigen Arbeitgeber leisten konnte. 

Wie ich feststellen musste, darf ich noch etwas an meinem Zeit- & Selbstmanagement arbeiten, um dieses anspruchsvolle Konglomerat an verschiedenen Betätigungsfeldern effizient und effektiv zu managen. Aber das ist eine andere Geschichte, derer ich mich gerne in einem anderen Blogbeitrag widme 😉

Wenn du dein Betätigungsfeld und den dazu passenden Job gefunden hast, wird die Vision des Unternehmens oder der Organisation, für die du tätig wirst, zu deiner Vision. Oder zumindest gibt der Job deine Mission vor. 

Wenn du nun zu denen gehörst, die zwar noch nicht wissen, in welchem Tätigkeitsfeld bzw. in welcher Rolle sie ihre Berufung ausleben wollen, aber eine klare Vision haben, wirst du wohl anders vorgehen. 

In diesem Fall macht es Sinn, sich auszumalen, wie ein konkretes Betätigungsfeld oder eine bestimmte Rolle aussehen könnte. Eventuell kennst du sogar jemanden, der deine Vision teilt und sich bereits für diese engagiert. 

Mir haben dazumal die erfolgreichen Umsetzungen meiner Vorbilder geholfen, für mich und meine Vision ein konkretes Bild zu zeichnen. Wenn du auch Vorbilder hast, schlage ich vor, du beginnst einmal bei diesen. Wie haben sie es gemacht? Wie sind sie in die Umsetzung gegangen? Was haben sie dafür gebraucht?

Gleiche deren Liste von notwendigen Ressourcen mit jenen deiner Liste aus Teil 1 und 2 der Übung “Wie finde ich meine Berufung” (Link) ab. Gibt es Überschneidungen? Macht es für dich Sinn, deine Vorbilder auch beim Beschreiten deines Umsetzungsweges deiner Berufung als Vorbilder herzunehmen? 

Wenn die Antwort Nein ist, ist das auch okay. Dann gilt es nun, deine Kreativität auszuschöpfen. Hierzu empfiehlt es sich womöglich, Freundinnen oder Gleichgesinnte, die an dich und deine Vision glauben, ins Boot zu holen und gemeinsam Brainstorming zu betreiben. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man gemeinsam meist die besseren Ideen kreiert. 

Unterstützende Fragen:

  • Was ist deine Vision? 
  • Hast du ein konkretes, messbares Ziel? 
  • Was willst du erreichen?
  • Was soll nach deiner Intervention anders sein als es heute ist?
  • Willst du etwas bewegen? 
  • Wenn ja, wo und bei wem? 
  • Hast du eine klare Zielgruppe? (Wenn ja, versuche diese so konkret wie möglich zu beschreiben)
  • Wem dient deine Vision?

Mit den Antworten auf diese Fragen kannst du dich dann daran machen, herauszufinden, wie diese neuen Erkenntnisse zu deinen Ergebnissen aus Teil 1 und 2 der Übung “So findest du deine Berufung” passen.

Welche Stärken, Fähigkeiten und Kompetenzen überschneiden sich mit dem konkreten Bedarf deines/ eures Brainstormings zu deiner Vision? 

Es dauert gewöhnlich, bis man ein klares Bild von seiner Berufungsumsetzung gemalt und einen dazugehörigen Plan geschmiedet hat. Bleib dran, aber setz dich nicht unnötig unter Druck. Manche Entwicklungen brauchen ihre Zeit. Mein Prozess dauerte auch mehrere Monate. Und noch heute entwickle ich sowohl meine Vision als auch mein Betätigungsfeld stetig weiter. Ich bleibe flexibel und offen für ungeahnte Chancen und kann so besser auf Widrigkeiten oder Hindernisse reagieren. 

Entscheidend ist, dass du irgendwann an einen Punkt kommst, von dem aus du wegstarten kannst. Eventuell so wie ich, nicht gleich Vollgas und Vollzeit, aber die Richtung sollte klar sein und du solltest deinen Weg kennen. Mit konkreten Zielen tut man sich gewöhnlich leichter (Link zu Blogbeitrag).

Viel Spaß und Kreativität beim Schaffen deines individuellen Umsetzungsplans!

Alles Liebe
Deine Susi, das Stehaufweibchen