Diverse Studien und Statistiken bestätigen immer wieder, dass vor allem folgende Faktoren bei berufstätigen Menschen für Jobfrust verantwortlich sind.

In aller Regel leiden Berufstätige entweder unter:

  1. Überforderung
    • zu viel zu tun
    • Ausübung von Tätigkeiten, die nicht dem eigenen Leistungsniveau entsprechen
    • zu viel Verantwortung
  2. Unterforderung
    • zu wenig zu tun
    • Ausübung von Tätigkeiten, die nicht dem eigenen Leistungsniveau entsprechen
    • zu wenig Verantwortung
  3. Sinnlosigkeit
  4. Fehlende Wertschätzung und Anerkennung
  5. Freudlosigkeit und Langeweile
  6. Fehlende Freiheit und Autonomie

Darüber hinaus gibt es natürlich auch noch solch brutale Phänomene wie Intrigen, Mobbing und Bossing, sowie jegliche Art von Diskriminierung. Diesen widme ich mich in einem anderen Blogartikel (Link zum Artikel).

Überforderung

Dank meiner beeindruckenden Burnout-Karriere (Sarkasmus lässt grüßen) weiß ich sehr gut, wie sich Überforderung anfühlt. Auch wenn meine Burnout-Episoden selten rein oder vorrangig beruflich bedingt waren, gingen sie doch alle mit einem Gefühl der Überforderung und der Hilflosigkeit einher. 

Als kreative und passionierte Problemlöserin war das sehr, sehr hart für mich. Denn ich lebte eigentlich schon immer nach dem Motto “Für jedes Problem gibt es eine Lösung” (sehr salomonisch 😉 ). Und dann war ich plötzlich nicht mehr dazu in der Lage, alleine meine Probleme zu bewerkstelligen. Es fehlte mir an den passenden Bewältigungstrategien. Und vor allem in meiner zweiten und dritten Burnout-Episode an Einsicht, dass ich hier ein ernstes Problem hatte. 

Überforderung kann daher rühren, dass wir zu viel in zu wenig Zeit zu erledigen haben. Für Personen mit hohen Qualitätsansprüchen oder Perfektionisten ein hartes Los. Denn diese Menschentypen reiben sich in solchen Phasen komplett auf und rutschen sehr leicht in ein Burnout. 

Ich habe aber auch schon erlebt, dass man vor allem sehr junge oder reifere Kollegen mit Aufgaben betraut hat, ohne entsprechende Einschulung oder Begleitung, die diese inhaltlich überfordert hatten. Das kann zu einem unglaublichen psychischen Druck führen, der den Betroffenen viel Energie raubt. Leider sind es oft diese Menschen, die unter einem schwachen Selbstwertgefühl leiden und sich nicht trauen, sich zu wehren. Sie hinterfragen solche Anweisungen nicht und stehen dann oft so unter Druck, dass sie “kreative” Wege finden, um ihre Fehler und ihr Scheitern zu vertuschen. Unglaublich anstrengend und kräftezehrend. 

Ebenso kommt es vor, dass (oft aus einer Notsituation heraus) ein Mitarbeiter mit einer personellen oder inhaltlichen Verantwortung betraut wird, derer er sich nicht gewachsen fühlt. Nicht selten werden ausgezeichnete Fachkräfte auch in Führungspositionen befördert, obwohl diese dafür nicht wirklich qualifiziert sind. Ein guter Fachexperte ist nicht unbedingt auch eine gute Führungskraft. 

Das kann dann schnell zu einer Überforderung aufgrund der übertragenen Verantwortung führen, derer man sich nicht gewachsen sieht. Und natürlich fällt es besonders diesen Personen schwer, zu ihren Schwächen zu stehen und um Hilfe zu bitten. Das führt auch hier unweigerlich dazu, dass sie versuchen, ihre Fehler und Schwächen zu vertuschen. 

Unterforderung

Auch damit kenne ich mich aus. Aufgrund von Reorganisationen in den Unternehmen, in denen ich tätig war, kam es für mich zu einer Art Stillstand- und Warte-Situation. Ich wusste monatelang nicht, was meine neue Rolle und mein Aufgabengebiet sein würden. Sich ein paar Tage oder auch wenige Wochen mit irgendwelchen Tätigkeiten über Wasser und beschäftigt – im Sinne von produktiv – zu halten, geht ja noch. Aber wenn sowas mehrere Wochen oder Monate andauert, hinterlässt das Spuren. 

In meinem Fall fing ich an, regelrecht zu verblöden. Trägheit und Faulheit stellten sich ein. Ich wurde immer langsamer in meiner Auffassungsgabe und meiner Reaktionsfähigkeit. Freude war ohnehin keine mehr vorhanden. Es fühlte sich alles sinnlos an, was ich tat. Das Zeitabsitzen im Büro war eine Quälerei für mich und ich war inhaltlich und auch quantitativ unterfordert. 

Es gibt aber auch hier Beispiele von Menschen, die gerne mehr Verantwortung übernehmen möchten, z.B. inhaltlich, jedoch mit einem Mikro-Manager als Chef zu kämpfen haben. So ist keine Autonomie möglich. So wird einem das selbstständige Denken abtrainiert. Was einem dann vom Chef selbstverständlich vorgehalten wird. Ein Teufelskreis. 

Sinnlosigkeit

Über den fehlenden Sinn habe ich in diesem Blogbeitrag (Link) mehr geschrieben. Es zeigt sich jedenfalls immer stärker, dass die Menschen nicht mehr nur des Geldes wegen arbeiten gehen wollen. Sie wollen sinnstiftend tätig sein, ihren Beitrag leisten. 

Der Druck der jüngeren Generationen auf die Unternehmen ist hier deutlich zu spüren. Erwartungen und Angebot passen hier derzeit in vielen Fällen nicht zusammen. 

Fehlende Wertschätzung und Anerkennung

Leider ein sehr weit verbreitetes Thema, welches so einfach aus der Welt zu schaffen wäre. Was ist schon dabei, seinem Kollegen mal dafür zu danken, dass er seine Arbeiten immer pünktlich abliefert oder der Kollegin mal zu sagen, wie sehr man sie für ihre herzliche und hilfsbereite Art schätzt? Und wäre es nicht toll, wenn sie auch mal ihrem Chef sagen würden, dass sie es schätzen, dass er immer alle relevanten Infos aus seinen Managementmeetings mit dem ganzen Team teilt? 

Ich denke, hier kann sich jeder selber an der Nase nehmen. Denn es ist nicht der alleinige Job der Führungskraft, ihre Mitarbeiter zu loben und wertzuschätzen. Jeder in einem Team kann seine Kollegen und seinen Chef wertschätzen und dies zum Ausdruck bringen. Du wirst erstaunt sein, welch Lauffeuer du damit entfachst. Denn da steigen die anderen im Team gerne mit ein. Sei ein Vorbild und mach den ersten Schritt.

Speziell gegenüber der Führungskraft, wenn dir vor allem von deren Seite die Anerkennung fehlt. Zeig ihr vor, wie das geht, indem du sie und die anderen im Team wertschätzt. Meiner Erfahrung nach sind Führungskräfte wesentlich offener für Feedback und Anstöße dieser Art, als viele vermuten. 

Freudlosigkeit und Langeweile

Vielleicht hast du das selbst auch schon erlebt. Du machst einen Job nun schon eine ganze Weile und du merkst, er macht dir keine echte Freude mehr. Bei mir lag das oft daran, dass sich Routine eingeschlichen hatte und die Herausforderungen des Joballtags mich nicht mehr wirklich aus der Reserve locken konnten. 

Langeweile und Freudlosigkeit gingen für mich meistens miteinander einher. Doch es gibt auch Jobs oder Aufgaben, die man vielleicht irgendwann aus einer Notsituation heraus übernommen hat, die einem noch nie Freude gemacht haben. Hier kann es helfen, die persönliche Einstellung zu dieser Aufgabe zu ändern oder sich einen neuen Job zu suchen (höre dazu die Podcastfolge #2, Link). Auf Dauer kostet ein freudloses Dasein im Beruf unglaublich viel Energie und wird sehr wahrscheinlich auch auf das Privatleben abfärben. 

Fehlende Freiheit und Autonomie

In Zusammenhang mit Verantwortung übernehmen haben wir bereits über Autonomie gesprochen. Wir Menschen haben ein paar Grundbedürfnisse, die uns im Leben antreiben. Und ich meine hier nicht jene aus der Maslowschen Bedürfnispyramide, sondern ganz grundlegende unbewusste Bedürfnisse. Jene, die wohl für die beachtliche Entwicklung von uns Menschen als Spezies entscheidend verantwortlich sind. 

Die Rede ist von dem Bedürfnis nach Zugehörigkeit zur Herde (zur Gruppe) und dem Bedürfnis nach Entwicklung und Autonomie. Bei Kindern kann man diese noch sehr klar in ihrer Urform beobachten. Als Erwachsene haben wir selten einen bewussten Zugang zu diesen. Doch gerade im Berufsleben merken viele von uns, dass sie zu sehr fremdbestimmt sind und selbst kaum Entscheidungen treffen dürfen. So ist kaum eine persönliche Weiterentwicklung möglich. Unser Potenzial verkümmert. 

Das kann zu erheblichem Frust führen. Man hat das Gefühl, nicht gesehen und ernst genommen zu werden. Als würde einem nichts zugetraut. Ungesund für unser Selbstwertgefühl und unser Selbstvertrauen. 

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass auch hier oft unterschätzt wird, wie kooperativ und offen Führungskräfte sind. Denn oft agieren sie nur aus Hilflosigkeit und eigener Überforderung heraus so kontrollierend. Wenn es einem beispielsweise gelingt, die Führungskraft spürbar zu entlasten, ihr zu zeigen, dass man sie und ihre Bedürfnisse verstehen will, um sie bestmöglich unterstützen zu können, wird diese sich sehr wahrscheinlich auch öffnen und Bereitschaft zeigen, Verantwortung zu übertragen. Vertrauen ist wie überall in Beziehungen die halbe Miete. Und Vertrauen entsteht dadurch, dass wir uns verstanden fühlen. Also mach den ersten Schritt und verstehe den anderen, von dem du dir mehr Freiraum wünschst. Und staune darüber, was da alles möglich ist, wenn man pro-aktiv ist. 

Wonach sich Angestellte sehnen

Wir wünschen uns Kohärenz zwischen den eigenen Zielen und Werten und denen der Organisation, für die wir tätig sind. 

Kennst du denn deine Werte und Ziele in Leben? Schon mal von ZDE gehört? Wenn nicht, empfehle ich dir auf jeden Fall, den Blogbeitrag hierzu in den kommenden Wochen nicht zu verpassen. Trag dich am besten sofort für die Stehaufweibchen News ein und lass sich bequem über deinen Emailposteingang an den neuen Blogbeitrag erinnern.

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