Beitrag zur Blogparade von Inge Schumacher, Energetikerin

Danke, liebe Inge, für die Möglichkeit, einen Gastbeitrag zu deiner Blogparade beizusteuern.

Mit dem Thema Grenzen kenne ich mich als waschechtes, vom Leben zertifiziertes Stehaufweibchen nur all zu gut aus. Vor allem wurde und werde ich noch heute immer wieder auf meine eigenen Grenzen hingewiesen, da diese im Laufe meines Lebens all zu oft übergangen und missachtet wurden.

Wer sich eingängiger mit Psychologie beschäftigt, wird vermutlich auch schon mal auf die Antreiber oder das Thema Glaubenssätze gestoßen sein.

Die 5 Antreiber von uns Menschen sind:

  • Sei perfekt
  • Sei stark
  • Streng dich an
  • Mach´s anderen Recht
  • Beeil dich

Typische Glaubenssätze von uns Menschen sind:

  • Ich bin zu dumm.
  • Ich bin nicht gut genug.
  • Ich bin nicht liebenswert.
  • Ich schaff ja doch nichts.
  • Ich krieg nichts zu Ende.
  • Erfolg ist anstrengend und mühsam.
  • Geld stinkt.
  • Ich muss etwas leisten, um geliebt zu werden.

(und noch viele weitere mehr, die Liste ist beliebig erweiterbar)

Mir waren meine eigenen Antreiber und Glaubenssätze lange nicht bewusst. Und das obwohl ich mich seit meinem 14. Lebensjahr mit Psychologie und seit gut 20 Jahren mit Persönlichkeitsentwicklung beschäftige. Für mich kam diese Erkenntnis erst mit 39, also vor wenigen Monaten, als ich mich meiner Biografiearbeit gewidmet habe.

Dabei geht es darum, die eigene Lebensgeschichte möglichst chronologisch und vollständig aufzuschreiben. Unzensuriert. Einfach so wie es aus einem herauskommt. Das ist für jemanden wie mich, der gerne und viel schreibt, gar nicht so einfach gewesen, denn mir ist es wichtig, dass die Formulierungen stimmig sind. Doch ich habe es hingekriegt und meine 60 Seiten Lebensgeschichte aufgeschrieben und an meinen Biografiearbeitscoach Susanne Ertle  geschickt.

Susanne hat dann meine Lebensgeschichte durchleuchtet und unter anderem meine Antreiber und Glaubenssätze zum Vorschein gebracht. Im Grunde waren diese nicht überraschend, dennoch war ich mir dieser und vor allem ihrer Macht über mich nicht bewusst. Sie bestimmten seit 39 Jahren mein Leben. Und zwar maßgeblich, doch dazu gleich mehr.

Meine Antreiber sind:

  • Sei stark
  • Mach´s anderen Recht

Den Anspruch möglichst alles perfekt zu machen hatte ich in meinen frühen Zwanzigern auch noch, dieser ist jedoch meinen eigenen hohen Ansprüchen an mich selbst geschuldet gewesen. Hier scheine ich in meiner Kindheit keine entsprechenden Glaubenssätze oder Programme eingepflanzt bekommen zu haben. Aber auch diesen Perfektionsanspruch sollte ich noch dank einer heftigen Grenzüberschreitungserfahrung loslassen lernen.

Meine wohl heftigste und lebensveränderndste Grenzerfahrung

Mit Mitte 20 hatte ich einen Burnoutzusammenbruch. Und mit Burnout kenne ich mich aus, ich durfte mit meinen heute 39 Jahren bereits 4 Burnout-Episoden meistern. Jedoch führte nur diese eine zu einem Zusammenbruch und war damit die für mich prägendste und wohl auch lehrreichste Grenzerfahrung.

Da ich es gewohnt war, immer stark zu sein – für meine eigenen Belange wie auch für die anderer – war es nicht weiter verwunderlich, dass ich kein gutes Gespür für meine eigenen Grenzen hatte. Um ehrlich zu sein, ich hatte keine Verbindung zu meinen eigenen Bedürfnissen oder meinen Werten. Ich war so darauf trainiert und ausgerichtet, die Bedürfnisse meiner Mitmenschen zu erfüllen, dass da kein Raum war für meine eigenen. Ich sah oder hörte sie schlichtweg nicht.

Ich betrachtete es tatsächlich als meine heilige Pflicht, meine Lebensaufgabe, mich aufzuopfern für andere. Für andere stark zu sein. Ja, ich dachte in meinen verkorksten Liebesbeziehungen oft, es sei meine Pflicht, die Schwächen dieses Mannes auszuhalten, weil eine andere Frau könnte das nicht. Und ich könnte ihm ermöglichen, an sich zu arbeiten, zu wachsen, sich weiterzuentwickeln. Doch das braucht Zeit und erfordert viel Geduld, Hingabe und Opferbereitschaft. Und das könne eben nur eine starke Frau wie ich leisten.

Heute sehe ich das zum Glück nicht mehr so. Und meine „gescheiterten“ Beziehungen bestätigen diese Fehlannahme wohl auch 😉

Neben meinem Bestreben für andere da zu sein und deren Leben zu erleichtern oder ihre Probleme für sie zu lösen, hatte ich auch einen enorm starken Drang nach persönlicher Weiterentwicklung. Ich wollte stets Neues kennenlernen, neue Aufgabenfelder studieren und mich ausprobieren. Worin war ich besonders gut? Wofür bekam ich die meiste Anerkennung? Wovon profitierten die anderen am meisten? Ich war ziemlich Ehrgeiz.

Um einen möglichst guten Beitrag für unsere Gesellschaft, derer ich mich verpflichtet fühlte, leisten zu können, um ihr möglichst gut dienen zu können, sah ich es als meine Aufgabe an, mich weiterzubilden und auch auf der Karriereleiter weiterzukommen. Mein Engagement in den Dienst einer guten Sache zu stellen. Für mich war das viele Jahre lang der Kundenservice. Zufriedene und begeisterte Kunden waren meine Mission, mit allem, was dazu gehörte.

Ich fing also neben meinem Vollzeitjob als Supervisor Customer Service, mit der Verantwortung über ein kleines Customer Service und Vertriebsinnendienst Team sowie den Top 5 Kunden meines Arbeitsgebers im Customer Service Bereich, mit einem berufsbegleitenden Studium an der Fachhochschule an. Ich brandte für das Studienfach, ja, es schien gar das ideale Studium für mich zu sein. Deshalb nahm ich es auch auf mich, im Schnitt 4x pro Woche nach der Arbeit noch bis 22 Uhr auf der FH zu hocken und zu studieren.

Leider war ich zu dem Zeitpunkt bereits so ausgelaugt von meinen permanenten Grenzüberschreitungen, derer ich mir ja nicht bewusst war, da mein Fokus immer auf den anderen und nicht bei mir lag, dass ich nicht mal das erste Semester vollständig abschließen konnte.

Es war kurz vor Weihnachten, einen Tag vor meiner letzten Prüfung vor den Weihnachtsferien und einen Tag vor der Firmenweihnachtsfeier. Ich lebte zu der Zeit bei meiner kranken Mutter, die mich ziemlich in Beschlag nahm. Sie hatte außer mir nicht wirklich jemanden, war daher ziemlich vereinnahmend. Ihre Lebenssituation war ausgesprochen schwierig und es ging ihr gar nicht gut. Als ihre Tochter fühlte ich mich natürlich verantwortlich und gleichzeitig hilflos, weil ich als Tochter nicht die Rolle eines professionellen Begleiters durch so eine Krise einnehmen konnte. Das erkannte ich jedoch erst Jahre später.

An besagtem Abend, ich war gerade beim Lernen, passierte es. Ich war so erschöpft und emotional so überladen durch die Belastung mit meiner Mutter (wir hatten wohl an dem Tag auch Streit oder sowas), dass ich einen Heulkrampf bekam. Es brach ganz plötzlich alles aus mir heraus. Ich konnte es nicht kontrollieren oder stoppen. Der Moment meines Zusammenbruchs.

Von da an ging es nur noch bergab. Ich lief wie ein Zombie ferngesteuert durch meinen Alltag. Die Prüfung am Folgetag schaffte ich irgendwie mit Ach und Krach. Sogar zur Firmenweihnachtsfeier schaffte ich es noch. Doch das war´s dann gewesen. Ich konnte nicht mehr.

Ich fand mich im Behandlungszimmers eines sehr aufgeschlossenen Hausartztes wieder, der sofort erkannte, was los war. Burnout und Depression. Er wollte mir helfen, in dem er mir sofort Antidepressiva gab, weil er wusste, diese würden 2-3 Wochen brauchen, bis sie zu wirken beginnen. Und es würde wohl noch eine Zeitlang dauern, bis ich einen Psychiater gefunden hätte, der mich mit Medikamenten versorgen würde.

Tja, leider stellte sich heraus, dass die verabreichten Antidepressiva kontraproduktiv für meine Art des Burnouts und der Depression waren. Es gibt Menschen, die in solchen Situationen aufhellende Medikamente brauchen und die anderen, die Medikamente brauchen, die ihnen helfen, runter zu kommen. Gebraucht hätte ich was zum Runterkommen, bekommen hab ich Aufheller.

Das führte dazu, dass ich volle 5 Wochen lang nicht schlafen konnte. Und ich meine wirklich nicht schlafen. Nicht eine Minute Schlaf. Ich konnte schlichtweg nicht einschlafen. Die verschriebenen Schlafmittel waren so furchtbar, dass ich sie nicht weiter nehmen konnte. Mein Zustand verschlimmerte sich soweit, dass sich eine Kollegin, die mit mir telefonierte, animiert sah, mich sofort aufzusuchen und in ein Krankenhaus zu bringen. „Chef, mit der stimmt was nicht, ich fahr da jetzt sofort hin.“ „Ja machen sie das, nehmen Sie sich ein Taxi, auf Firmenkosten.“. Ich bin den beiden bis heute unendlich dankbar für ihre Unterstützungsbereitschaft und ihre Eigeninitiative. Ich weiß nicht, welche neurologischen Schäden diese Schlaflosigkeit womöglich sonst noch verursacht hätte.

Nachdem ich die korrekten Medikamente bekam, dauerte es 2 Wochen, bis diese anfingen zu wirken. Ich begann mit 1,5-3h Schlaf pro Tag. Immerhin. Ich konnte wieder einschlafen. Mein Erschöpfungsgzustand war am Tiefpunkt angekommen.

Dank der liebenvollen Unterstützung von Familie, Freunden und Kolleginnen war ich in dieser gesamten Zeit meines Krankenstandes gut versorgt. Ohne diese Menschen wäre ich wohl daheim versandelt. Ich zog nach meinem Zusammenbruch in meine eigene Wohnung zurück, da mir klar war, dass ich nicht länger bei meiner Mutter bleiben konnte. Ich hätte ihr auch nicht mehr helfen können in meinem Zustand.

Als Burnoutbetroffener nach einem Zusammenbruch merkt man erst, wie schlimm man Raubbau am eigenen System betrieben hat. Nicht nur am Körper, den ich wohl immer schon als erstes vernachlässigt habe, um auf geistiger und seelischer Ebene über meine Grenzen gehen zu können. Mein Hirn war zu Matsch geworden. Ich konnte tagelang eine weiße Wand anstarren ohne ein Gefühl für Raum oder Zeit. Mein Hirn war absolut leer. Ich konnte nicht einen klaren Gedanken fassen. Ganz alltägliche Entscheidungen treffen? War nicht möglich. Ich war froh, dass ich es schaffte, ab und zu daran zu denken, aufs Klo zu gehen. Ich wäre sonst wohl irgendwann in meinem eigenen warmen Urin gelegen und hätte erst dann gemerkt, dass ich wohl schon seit vielen Stunden nicht mehr auf der Toilette war. Und ja sowas passiert Betroffenen nicht selten.

Ich ernährte mich von Nudelsuppe, die ich immer im selben Ritual einmal am Tag zubereitete. Ansonsten aß ich nur, was mir meine Unterstützer zum Essen vorbeibrachten oder für mich daheim kochten. Es gab auch eine Pizzeria in der Nähe, bei der ich ab und zu einen Salat mit Pizzabrot bestellte. Da war es egal, wann ich ihn aß, den konnte ich auch Stunden später oder am nächsten Tag essen. Essen wurde zur emotionslosen Notwendigkeit. Für einen Genussmenschen und begeisterten Koch wie mich ein echt schlimmer Zustand. Aber ich hatte gar keine Wahl. Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich keine Wahl. Ich musste mich meinen Grenzen ergeben, akzeptieren, dass ich eben doch kein Übermensch war.

Meine Grenzüberschreitungen sorgten für einen roten Alarm in meinem System und weil ich alle Warnhinweise ignorierte oder gar nicht erst wahrnahm, musste das System die Notbremse ziehen. Da wird dann wirklich alles runtergefahren. Man hat das Gefühl, man muss alles von Neuem lernen. Da funktioniert nichts mehr normal.

Als die korrekten Medikamente zu wirken begannen, kam mein Hirn als erstes wieder zurück. Ich konnte wieder klar denken, ja sogar klarer als je zuvor. Denn in so einer Situation wird man wie in jeder schlimmen Krise oder bei einem Schicksalsschlag mit der wesentlichen Frage konfromtiert: Was ist wirklich-wirklich wichtig im Leben?

Und da musste ich erkennen, dass vieles von dem, wofür ich mich aufopferte, es gar nicht wert war. Ich musste auch erkennnen und akzeptieren, dass meine Leistungsfähigkeit auf etwa 20% runtergefallen war. Zu mehr Leistung war ich schlichtweg nicht mehr im Stande. Das war der Zeitpunkt, als es hieß „Perfektionismus ade“.

Ich musste lernen, mein Selbst- und Zeitmanagement auf mein neues Leistungsniveau anzupassen, denn daran ließen die Ärzte und Therapeuten keinen Zweifel: Es würde vermutlich Jahre brauchen, bis ich wieder in meiner Energie sein würde.

Noch viel wichtiger war jedoch, zukünftig derartige Episoden zu verhindern. Und das ginge nur, wenn ich mir klar darüber wurde, was die Ursachen für mein Burnout waren. Damals war es eine im Grunde einfache Übung meiner Mentaltrainerin, die mir die Augen öffnete. Sie forderte mich dazu auf, alle einprägsamen und wichtigen Ereignisse der letzten paar Jahre in umgekehrter chronologischer Reihenfolge aufzuschreiben, sprich mit dem heutigen Tag beginnend und rückwärts gehend.

Als ich die erste A4 Seite voll hatte, brach ich in Tränen aus. Übrigens auch ein wunderbarer Nebeneffekt eines Burnouts: Man lernt es zu akzeptieren, in der Öffentlichkeit emotional und sogar weinerlich zu sein 😉 Man hat es nämlich nicht unter Kontrolle, also gibt man sich diesen übermannenden Emotionen einfach hin. Bis dahin hatte ich als Kind zum letzten Mal in der Öffentlichkeit geweint gehabt. Stark sein war das Gebot!

Diese eine A4 Seite offenbarte mir die geballte Ladung an Belastungen, Krisen, Konflikten und Verlusten, die ich, eine nach der anderen und viele parallel, zu meistern hatte, ohne ausreichend Zeit dafür gehabt zu haben, diese adäquat zu verarbeiten. Ich war ja auch nicht auf mich, sondern immer nur auf die anderen fokussiert, checkte es also gar nicht, dass es da noch etwas aufzuarbeiten gab.

Um nur ein sehr bezeichnendes Beispiel herauszunehmen. Ich hatte etwas 2 Jahre vor dem Zusammenbruch zwei Embryos in den ersten 3 Monaten der Schwangerschaft verloren. Und dabei 4 Operationen gehabt, da es laufend Komplikationen gab. Und das Ganze in nur 5 Monaten. Das war für meinen Körper einen enorme Belastung und auch seelisch steckte ich das nicht so locker weg. Mein damaliger Ehemann, meine große Liebe, reagierte überraschend kalt und es zeigte sich, welche Prioritäten er hatte. Nicht meine Gesundheit.

Und dennoch galt erneut mein gesamtes Bestreben der Wunscherfüllung meines Gatten nach einem Kind. Ich war alles andere als bereit für eine erneute Schwangerschaft, doch er ließ nicht locker. Wir konnten uns dann darauf einigen, mir ein Jahr Zeit zu geben, um einerseits meine Ausbildung abzuschließen, die ich nach meinem Jobverlust (welcher eine Folge meiner Fehlgeburten war) anfing, und um wieder zu Kräften zu kommen.

Dieser Druck von meinem Ex-Mann war allgegenwärtig, es wurde mir quasi permanent vorgehalten, dass ich ihm diesen seinen größten Wunsch verwehre. Es kümmerte ihn kein Stück, wie es mir ging. Das war das erste Mal in meinem Leben gewesen, dass ich merkte, dass ich an persönliche Grenzen stieß. Dazu brauchte es jedoch diese extremen Erfahrungen in so geballter Ladung. Zuerst den Verlust der Kinder, die damit verbundenen Komplikationen und diese herbe Enttäuschung in Bezug auf die Liebe meines Lebens.

Mein Ex-Mann und ich haben nur noch gestritten, jeden Tag, ziemlich heftig. Da war also keine Zeit für Erholung. Meine Prüfungen für die Ausbildung schaffte ich nur, weil ich in der Woche vor der Prüfung bei einer Freundin wohnte.

Es folgte, wenig überraschend die Trennung. Eine Trennung aus Liebe. Denn wir liebten uns – jeder auf seine Art – doch wir mussten einsehen, dass wir uns gegenseitig umbrachten. Ich könne ihm nicht geben, was er wollte, und er könne nicht akzeptieren, dass dem so ist. Es gab so viele Desillusionierungsmomente in diesen letzten Monaten unserer Beziehung. Da gingen riesige Gräben zwischen uns auf.

Nach der Trennung war ich kurz davor, mir das Leben zu nehmen. Der Schmerz war kaum auszuhalten. Die innere Leere war erdrückend. Ich war so sehr aufgegangen in dieser krankhaft symbiotischen Beziehung, dass ich meine eigene Identität verloren hatte. Ich hatte zudem sehr früh, mit 19, geheiratet, sprich zu dem Zeitpunkt noch gar keine starke Identität aufgebaut gehabt. Das war emotional die schlimmste Zeit meines Lebens. Auch eine Grenzerfahrung, aber der anderen Art. Hier lernte ich, wie viel ich wirklich aushielt und wie viel Kraft in der Leere steckt. Aber das ist eine andere Geschichte.

Zurück zu meinem Burnout-Zusammenbruch. Meine A4 Seite war voll mit Erfahrungen wie diesen, die ich allesamt nicht adäquat verarbeitet hatte.

Was lernte ich also aus dieser Grenzerfahrung?

Ich lernte zum einen, dass auch ich Grenzen habe. Bis dahin dachte ich, ich sei sowas wie unverwundbar, dass ich über unendlich viel Energie und Liebe verfügte. Tja, dem war nicht ganz so. Denn wenn ich mich nicht auch um meine eigenen Bedürfnisse kümmere, geht der Energiebedarf irgendwann an die Substanz. Und so war das bei mir.

Ich lernte auch, dass ich vom Typ her eine Ausbrennerin bin und darauf aufpassen musste, nicht wieder in so einen Strudel reinzugeraten. Was mir nicht gelungen ist, aber ich schaffte es in den zwei nachfolgenden Burnout-Episoden diese a) früher als solche zu erkennen und b) auch radikal zu reagieren. Mein Selbstschutzmodus funktioniert seit dem Zusammenbruch verlässlich.

Ich befasste mich von da an mehr und mehr mit meinen eigenen Bedürfnisse. Was mir wirklich schwer fiel und mir auch heute oft noch schwer fällt. Das ist etwas, an dem ich jeden Tag aktiv arbeite, was ich im Alltag trainieren darf. Jeder Tag bietet mir Gelegenheiten, um meine eigenen Bedürfnisse zu erkennen, wahrzunehmen und für diese einzustehen. Und ich nutze diese Trainingseinheiten ganz bewusst. Vielleicht gelingt es mir eines Tages, hier eine Art Automatismus in meinem System zu implementieren, der mich gut und verlässlich durch solche Alltagsentscheidungen bringt, ohne dass ich bewusst darüber nachdenken muss.

Für mich bedeuten Grenzen also nicht unbedingt etwas Negatives. Für mich sind Grenzen wertvoll, weil sie mir anzeigen, wo ich aufpassen muss. Und vor allem lassen sie mich demütig werden in Anbetracht meiner eigenen natürlichen „Beschränkungen“. Welche ich im Laufe der Jahre zu akzeptieren gelernt habe. Ich habe immer die Wahl und kann mein Leben aktiv gestalten, doch nicht immer in der Intensität und Geschwindigkeit, wie es meiner Ungeduld oder meinem hohen Anspruch an mich selbst Recht wäre.

Der größte Gewinn aus meinen Grenzüberschreitungserfahrungen ist gewiss diese Erkenntnis, dass ich meinen eigenen Weg in meinem eigenen Tempo gehen muss, wenn ich glücklich, erfüllt und in Balance leben möchte. UND wenn ich bestmöglich dienen können möchte. Denn nur wenn ich selbst energiegeladen und in Balance bin, kann ich für andere im Dienen zur Höchstleistung auflaufen.

Ich hoffe, dieser kleine Seelenstriptease barg auch für dich den einen oder anderen Gedankenanstoß und erinnert dich daran, auf dich und deine Bedürfnisse zu schauen.

Schau auf dich, die Welt braucht dich.

Alles Liebe
Deine Susi, das Stehaufweibchen