Seit fünf Wochen steht diese eine Aufgabe wiederholt auf deiner täglichen ToDo-Liste. Und in deinem Inneren weißt du, auch heute ist nicht der Tag, an dem du es erledigen wirst. Denn du drückst dich nicht ohne Grund vor Aufgaben wie diesen. In erster Linie tust du dies, weil du sie nicht magst oder weil sie dir schwer fallen. Doch mit jedem Tag, den du die lästige ungeliebte Aufgabe weiter aufschiebst, wird dein Frust darüber größer. Und auch die Aufgabe erscheint in deinem Kopf immer größer und übermächtiger zu werden. Du steckst in der Ausweichspirale.
 

Im beruflichen und privaten Kontext

Im beruflichen Kontext waren das bei mir in meinem ersten Job, als es noch richtig viel Papierkram zu erledigen gab und Kundengeschäftsfälle noch in Mappen abgeheftet wurden, Aufgaben wie “Ablage machen” und in späteren Jobs oder im Studium so Aufgaben wie Exceltabellen mit Daten füttern oder Daten vergleichen. Ich erinnere mich auch daran, dass ich als Ausbildnerin im Callcenter eine Zeit lang keinen Bock hatte, selbst an der Serviceline zu sitzen und mit Kunden zu telefonieren – das hatte ich zuvor schon Jahre lang getan.
 
So gibt es wohl in jedem Job für jeden von uns solche ungeliebten Aufgaben, die wir gerne vermeiden wollen und nur allzu gerne aufschieben, bis es irgendwann nicht mehr geht. Aber auch im privaten Umfeld gab es da früher einige solcher Aufgaben für mich. Wenn es um das Thema Hausarbeit ging, war das rote Tuch für mich “Abwaschen”.
 
Ich hatte irgendwann in meinem Leben die Schnauze voll davon gehabt, dass es solche Aufgaben gibt, die derartige Energieräuber und Zeitvernichter sind, und meine Laune und meine Alltagsplanung so dermaßen im Griff haben. Und habe mich aufgemacht, nach einer Lösung zu suchen.

Gefunden habe ich die Lösung in 2 einfachen Strategien:

1. Man kann absolut jede Tätigkeit mit Hingabe machen. Und das erstaunliche daran: dabei entsteht Freude, ja richtige Glücksgefühle, Dankbarkeit und nach getaner Arbeit stellt sich natürlich ein großartiges Gefühl der Zufriedenheit ein. Ich habe diese Strategie erfolgreich angewandt fürs Geschirrabwaschen. Das habe ich sowas von gehasst… da war mir keine Ausrede zu blöd und kein Ausweg zu mühsam. Heute wasche ich mit Liebe ❤ ab, mit einer Freude erzeugenden Hingabe. Wir sind Freunde geworden, das Abwaschen und ich. Buddies im Alltag sozusagen. Nachhaltig. Und es reicht, sich 1-3x bewusst darauf einzulassen.
Diese Strategie funktioniert bei Aufgaben, die du prinzipiell beherrscht (also wo du die benötigten Fähigkeiten mitbringst), aber einfach nicht gerne machst.

2. Für alle anderen Dinge, für die man sich überwinden muss, hilft nur das Austricksen deines Gehirns, des limbischen Systems um genau zu sein. Sobald dieses die Chance gekriegt hat, in die Ausweichspirale zu schlüpfen, bist du chancenlos, der Grad der Überwindung wird dann quasi minütlich (!) höher. Da ist es besser gleich aufzugeben und diesen k.o-Schlag als gegeben hinzunehmen.
ABER: es gibt einen Weg das Hirn auszutricksen, bevor es in diese Spirale kommt. Entweder man fängt sich bewusst ab, in dem man dem Hirn sagt “und nein, ich mach das jetzt” und SOFORT ins Tun kommt – also dem Hirn keinerlei Chance gibt, hier Ausreden und Ausweichprogramme zu fahren. Oder die 5-Seconds-Methode von Mel Robbins. Die hat exakt den selben Effekt, die stoppt dein Hirn beim Eintritt in solche Schleifen.

Die 5-Seconds-Methode zwingt unser limbisches System der Emotionen, aus dem die Impulse in der Ausweichspirale kommen, ebenfalls dazu, die Großhirnrinde, unser Gehirnareal zum bewussten “echten” Denken, zu aktivieren. Dies funktioniert, in dem du relativ rasch von 5 rückwärts zählst: 5, 4, 3, 2, 1. Diese Denkleistung kann nur von unserer Großhirnrinde vollzogen werden. Somit übernimmt unser Verstand die Kontrolle. Aber auch hier gilt: du musst SOFORT ins Tun kommen, denn sonst verfliegt dieser Effekt schnell wieder. Sprich diese Unterbrechung der Ausweichspirale muss immer mit einer Aktion verbunden sein.

Ich mach das immer, wenn mich mein Brötchenjob so gar nicht freut oder ich sowas machen muss wie Excellisten bearbeiten (was für mich als Nicht-Zahlen-Mensch super anstrengend ist). Oder wenn ich neue Aufgaben angehen muss, von denen ich erwarte, dass sie eher mühsam für mich werden wie Meldungen beim Finanzamt oder der Sozialversicherung im Zuge meiner Unternehmensgründung. Diese zweite Strategie ist wirklich auf alles anwendbar.
 
Das erstaunliche, was ich eigentlich immer beobachte. Wenn ich dann mal im Tun bin, ist es meistens nicht mal annährend so schlimm wie in meiner Vorstellung und ich brauche meistens deutlich weniger Zeit als gedacht. Und danach feiere ich ordentlich, dass ich Herrin und Gestalterin meines Lebens mit der vollen Power bin :-).
 
Das klappt auch super, wenn du morgens nicht motiviert bist, aufzustehen. “Zack” und los geht´s”. Auch wenn du am Wochenende gemütlich vor dem Fernseher sitzend merkst, du hast eigentlich keine Lust zum Sport zu gehen. Einfach sofort ins Tun kommen und beispielweise die Sporttasche packen und zur Tür stellen. Einfach die Schuhe anziehen und losgehen. Gib deinem limbischen System nicht die Chance, hier die Kontrolle zu übernehmen. Denn du weißt, am Ende bist du stolz auf dich, kannst dich und deinen Erfolg feiern. Und das ist IMMER ein gutes Gefühl.
 
Diese Aussicht auf ein freudiges Ereignis in naher Zukunft stimmt dein limbisches System ebenfalls milde. Hier hilft ein positives Visionsbild vom Ziel. Wie wird es sein, wenn es geschafft ist? Das motiviert schon mal, es überhaupt anzugehen – mit welcher Strategie auch immer. Unser limbisches System kann nämlich auch trainiert und konditioniert werden. Und plötzlich verbindet es mit Abwaschen freudvolle und erfüllende Momente. Und mit Excellisten bearbeiten Erfolge, die gefeiert werden. Das liebt unser limbisches System, es will Freude empfinden und feiern 🙂
 
Viel Spaß beim spielerischen Kennenlernen der Möglichkeiten deines Gehirns im Einsatz gegen die Ausweichspirale. Erzähle mir gerne von den größten Zeit- und Energiefressern in deinem Alltag und deinen Erfahrungen mit diesen vorgestellten Strategien.
 
Deine Susi, das Stehaufweibchen