Nach einem Burnout-Zusammenbruch ist nichts mehr wie es vorher war. Für den Betroffenen selbst und dessen Angehörige ändert sich der Alltag. Und es ist nicht leicht, mit den Symptomen eines Burnouts nach dem Zusammenbruch umzugehen. Weder für den Betroffenen, noch für sein persönliches Umfeld. Weshalb sich viele Betroffene am liebsten komplett einigeln und zurückziehen wollen. Was erfahrungsgemäß jedoch eher zu einer Verschlechterung des Allgemeinzustandes und der erschöpfenden Symptome führt.
 
Für mich persönlich waren es die folgenden Veränderungen, die mir am meisten zu schaffen gemacht haben:
  • Schlaflosigkeit aufgrund von falscher Medikation
  • Unkontrollierte, spontane Emotionsausbrüche
  • Gemütsschwankungen
  • Dünnhäutigkeit, generell hohe Sensititivität
  • die Leere in meinem Kopf
  • fehlendes Zeitgefühl
  • Unfähigkeit, alltägliche Entscheidungen zu treffen
  • Abhängigkeit von der Hilfe anderer
 

Schlaflosigkeit

 
Ich habe 5 Wochen lang nichts geschlafen, und ich meine wirklich nichts. Mein damaliger Arzt, der die Diagnose stellte, meinte es gut und hat mir sofort Anti-Depressiva verschrieben. Diese hatten jedoch eine aufhellende Wirkung, während ich eher etwas gebraucht hätte, was mir hilft, runter zu kommen. Sprich: Dank der Medikation war ich dauerwach.
 
Zuerst hatte ich versucht, zusätzlich mit Schlafmitteln gegenzusteuern. Das würde ich nie wieder tun. Das war schrecklich. Mein Körper war komplett ausgeknockt und ich war in so einem halbwachen Dämmerzustand gefangen. Schrecklich. Es war jedoch klar, so konnte es nicht bleiben. Mein Zustand verschlechterte sich rasch. Ich war nicht mehr zurechnungsfähig, was dann irgendwann mal bei einem Telefonat einer meiner damaligen Kolleginnen aufgefallen war. Die hat dann auch sofort die Initiative ergriffen, ging zum Chef rein und erzählte ihm, dass sie das Gefühl habe, mit mir stimme etwas nicht, und dass sie zu mir nach Hause fahren würde, um nachzusehen.
 
Mein damaliger Chef sagte darauf nur “Machen Sie das. Und nehmen sie sich ein Taxi, auf Firmenkosten.” So holte mich die Kollegin ab und fuhr mit mir in die psychosomatische Ambulanz eines nahegelegenen Krankenhauses. Dort wurde schnell klar, wieso ich so daneben war. Die zuständige Ärztin verschrieb mir nun endlich die korrekten Medikamente. Nachdem es zwei, drei Wochen dauert, bis diese ihre volle Wirkung entfalteten, dauerte es noch eine ganze Zeit, bis ich endlich wieder ein bisschen schlafen konnte. Normal geschlafen habe ich erst Wochen später wieder.
 
Aber ich war dann wenigstens geistig wieder einigermaßen auf der Höhe – soweit man das als Burnout-Betroffener nach einem Zusammenbruch eben sein kann. Die körperliche Erschöpfung dauerte noch Monate an. Aber das war nicht nur der Schlaflosigkeit geschuldet, sondern das ist ein ganz normales Symptom bei einem Burnout-Zusammenbruch.
 
Man darf ja nicht vergessen, dass der Körper hier die Notbremse zieht und alles runterfährt. Zu diesem Zeitpunkt sind alle Reserven aufgebraucht und man fährt auf einem Minimum an Leistung. Was sich wirklich ganz seltsam anfühlt, wenn man gewohnt ist, ständig Top-Leistung zu bringen – beruflich wie privat. Aber dazu weiter unten bei >> Unfähigkeit, alltägliche Entscheidungen zu treffen mehr.

Emotionsausbrüche, Gemütsschwankungen und Dünnhäutigkeit

Wer mich schon länger kennt, weiß, dass es nicht wirklich zu meinen Stärken zählt, meine Emotionen auszudrücken. Ich war früher so zurückhaltend mit dem zum Ausdruckbringen meiner Gefühle, dass man mich hätte als unterkühlt bezeichnen können. Das änderte sich schlagartig mit meinem Burnout-Zusammenbruch. Und ich musste wirklich erst lernen, mit dieser emotionalen und unkontrollierten Seite von mir umzugehen.
 
Plötzlich musste ich damit leben, dass ich ständig zu Tränen gerührt war oder einfach so – scheinbar grundlos – zu heulen anfing. Und da war es egal, ob ich grad vor meinem damaligen Chef stand oder in der U-Bahn saß. Meine Emotionen überkamen mich und ich konnte mich nicht dagegen wehren.
 
Ich beobachte aktuell bei einem meiner Coachees, wie sie mit ihren ständigen Gemütsschwankungen und der ungewohnten, unkontrollierbaren Emotionalität umgeht. Sie beschreibt sie als erschöpfend, weil diese ständigen Auf und Abs ganz schön herausfordernd sind. Mehrmals täglich erlebt sie einen Wechsel von himmelhoch jauchzend bis hin zu zu Tode betrübt.
 
Ich habe damals bei meinem Burnout-Zusammenbruch rasch erkannt, dass ich diese Gemütsschwankungen und emotionalen Ausbrüche nicht kontrollieren konnte. Und gab dieses Vorhaben somit schnell auf. Stattdessen schlüpfte ich in die staunende und lernende Beobachterrolle. So kannte ich mich nicht. Ich, die immer so super rational und taff unterwegs war. Es war spannend, mich von dieser neuen Seite kennen zu lernen. Ich fing sogar an, nachdem die erste Irritation und Unsicherheit nachließ, es zu genießen.
 
Denn ich fing an, was ich bis dato nicht für möglich hielt, meine Gefühle gegenüber anderen Menschen auszudrücken. Ich heulte Rotz und Wasser bei berührenden Filmszenen, ich konnte plötzliche die starken Verbindungen zu meinen Mitmenschen viel besser spüren. Ja, sogar der Sex wurde besser. Ich spürte und erlebte mich selbst auf eine neue und tiefer gehende Weise. Diese Transformation war bahnbrechend in meinem Leben. Dank dieser Burnout-Erfahrung entdeckte und entwickelte ich meine Herzlichkeit.
 
Man muss verstehen, dass vor einem solchen Burnout-Zusammenbruch oft monate- oder jahrelang Gefühle und Emotionen unterdrückt worden sind. In meinem Fall nicht, weil ich das so wollte, sondern weil ich in den Jahren zuvor wirklich von Krise zu Krise gestolpert bin und dazwischen gar keine Möglichkeit hatte, all das Erlebte adäquat zu verarbeiten.
 
So richtig bewusst geworden ist mir das erst, als ich auf Anraten meiner Mentaltrainerin, an die ich mich damals wandte bei der Aufklärung der Frage, wie es denn gerade mir passieren konnte, dass ich in ein Burnout rutsche. Wo ich doch so super organisiert, strukturiert und reflektiert bin. Sie gab mir damals als Hausaufgabe, eine chronologische Liste aller wesentlichen Ereignisse der vorangegangenen Jahre zu erstellen, von heute an rückwärts.
 
Die Liste war für mich ein Augenöffner. Als ich sie zum ersten Mal so vor mir sah und las, brach ich in Tränen aus. Ich konnte gar nicht mehr aufhören. Zum ersten Mal wurde mir wirklich klar, was ich da alles durchgemacht hatte und dass es kein Wunder war, dass ich irgendwann zusammenbreche. Ich hatte all die Warnsignale überhört, in all dem Trubel nicht wahrgenommen – und unter uns, ich hätte sie wohl auch nicht ernst genommen, wenn mich jemand auf diese aufmerksam gemacht hätte, denn ich hielt mich damals für unverwundbar und glaubte, über unermessliche Energiereserven zu verfügen 😉
 
Ich nutzte also diese Phase nach dem Zusammenbruch sehr intensiv dafür, um hier aufzuräumen. Alte Wunden zu heilen. Aber auch, um mich wieder mit mir zu connecten. Denn ganz offensichtlich hatte ich die Verbindung zu mir selbst, meinen Bedürfnissen und Träumen komplett verloren. Es war eine intensive und sehr erkenntnisreiche Reise zu mir selbst. Und ich bin überzeugt davon, dass ich diesen Zusammenbruch gebraucht habe, um diese essentiellen Learnings zu machen.
 

Leere im Kopf und fehlendes Zeitgefühl

Für mich einer der schlimmsten Zustände damals war das fehlende Zeitgefühl. Ich hatte weder eine Ahnung, welchen Wochentag, welches Datum, noch welche Uhrzeit wir hatten. Oft saß oder lag ich stundenlag auf meinem Sofa und starrte einfach die Wand an. Mein Kopf war völlig leer. Vermutlich kreisten Gedanken in meinem Kopf rum, doch ich nahm sie nicht bewusst war. Es fühlte sich so an, als wäre ich nicht mehr Teil meines Körpers, als hätte ich mich für ein paar Stunden einfach ausgeklinkt.
 
Heute weiß ich, dass diese Phasen dazu dienten, um zu regenerieren. Ich nutze heute immer wieder ganz bewusst solche Auszeiten, in denen ich mich der Stille und dem Nichtstun verschreibe. Das hilft mir, in stressigen Phasen, in denen ich viel Kopfarbeit leiste, wieder zur Ruhe zu kommen. Mein Geist würde sonst 24/7 auf Hochtouren fahren. Was, wie ich bereits in einer anderen Phase meines Lebens erleben durfte, zu Schlafstörungen und somit zu enormer Erschöpfung führen kann. Aber das ist eine andere Geschichte.
 
Kurz vor meinem Zusammenbruch bezog ich meine erste eigene Wohnung nach meiner Scheidung. Und ich wollte mir unbedingt Katzen nehmen. Das tat ich dann während meiner Burnout-Zeit. Und das war eine gute Entscheidung. Die Versorgung und die Beschäftigung mit den beiden Mietzen gab mir Struktur im Alltag und bereitete mir Freude. Ich hatte eine Verpflichtung und lief somit nicht Gefahr, mich einzuigeln und zu versumpern. Denn, das habe ich auch schon öfter erlebt, gerade wenn Menschen alleine sind nach einem Burnout-Zusammenbruch, versandeln diese regelrecht, weil sie die Kontrolle über sich und ihr Leben verloren haben. Was uns auch gleich zum nächsten Thema führt.
 

Entscheidungsunfähig und abhängig von anderen

Das war für mich definitiv eine völlig neue Erfahrung. Ich war immer die Machercheckerin, die, die ihr eigenes Leben managte und anderen dabei half, ihres in den Griff zu kriegen. Für mich war immer klar gewesen, so wurde es mir von den Frauenbildern in meiner Jugend vorgelebt, dass ich eine Frau stark sein und alles alleine managen können muss. Männer erlebte ich damals als “Lulus”, sie spielten keine bedeutende Vorbildrolle im Sinne von der starke Beschützer oder Versorger. Diese Attribute lernte ich bei Männern erst im Erwachsenenalter durch meine Partner kennen.
 
Und nun war ich plötzlich so gaga im Kopf und außerstande, ganz alltägliche Entscheidungen zu treffen, dass ich angewiesen war auf die Hilfe von anderen. Ich war es nicht nur nicht gewohnt, Hilfe von anderen zu brauchen. Es war für mich auch eine spannende neue Erfahrung zu erleben, dass Menschen in meinem Umfeld auch ohne meine Anweisungen und Vorgaben dazu imstande waren, Tolles zu leisten. Ich dürfte davor eine ziemlich arrogante, besserwisserische Klugscheißerin gewesen sein. Die davon ausging, dass sie alles besser wisse und nichts gut genug sei, wenn sie es nicht selber mache.
 
Bullshit! Dank meines Burnout-Zusammenbruchs durfte ich erleben, wie sehr ich mich in mir selbst und dem Potenzial der anderen getäuscht hatte. Das war wohl die Geburtsstunde meines Wunsches danach, andere darin zu unterstützen, ihr eigenes Potenzial zu erfalten. Weg von der Ratgeberin, die vorgab, wie was zu machen ist, hin zum Coach, der bei der Entdeckungsreise des eigenen Potenzials begleitet und unterstützt.
 
Natürlich habe ich auch professionelle Hilfe in Anspruch genommen. Neben den stabilisierenden Medikamenten habe ich mit einer Mentaltrainerin und einem Psychotherapeuten zusammen gearbeitet. Den passenden Therapeuten für mich fand ich erst nach 6 Pleiten. Und er war verdammt teuer. Doch ich wusste, dass er es sein würde, der mir jetzt am besten helfen kann. Deshalb fanden wir gemeinsam einen Weg, wie ich diese Therapie, die mehr ein Coaching war, finanzieren konnte.
 
Ich hatte echt Glück, dass mein soziales Umfeld damals so rasch und so toll reagiert hatte. Fast jeden Tag hatte ich Besuch. Meine Familie, Freunde und Arbeitskollegen kümmerten sich darum, dass ich alles hatte, was ich zum Leben brauchte. Und sorgten dafür, dass ich auch soziale Kontakte und Autausch hatte. Denn so sehr man sich als Burnout-Betroffener gerne zurückziehen mag, sich am liebsten einigeln würde, so wichtig und wertvoll sind gerade jetzt die Gespräche und Kontakte mit anderen Menschen, die einem gut tun.
 
Einige dieser Menschen, die sich damals um mich kümmerten, waren zudem dankbar für diese einmalige Gelegenheit, mir endlich ein wenig von dem zurückgeben zu können, was ich in den vielen Jahren zuvor bereits für sie getan hatte. Denn das war in Wahrheit immer meine Rolle gewesen: Ich war für andere da. Nun bekamen diese Menschen die Gelegenheit, für mich da zu sein. Und es fühlte sich für uns beide gut an.
 
Seither kann ich Unterstützung von Freunden und Familie viel leichter annehmen. Ja, ich frage sogar ganz gezielt danach. Denn ich weiß, mir ist damit geholfen, ich kann dadurch Druck aus meinem Alltag rausnehmen und bessere Ergebnisse bei meinen Projekten erzielen. Und für die anderen ist es eine super Gelegenheit, für mich da zu sein und etwas zurück zu geben, sowie eine Chance, ihr Potenzial auszuleben und zu entfalten. Das stärkt das Selbstwertgefühl und das Selbstvertrauen dieser Personen. Somit eine klare Win-Win-Situation.
 

 
Soweit zu mir und meinen Erfahrungen mit einem Burnoutzusammenbruch. Ich hoffe, du konntest für dich ein paar Anregungen für deine aktuelle Situation mitnehmen. Wie wohl aus meinen persönlichen Schilderungen deutlich hervorgegangen ist, erachte ich es als enorm wertvoll, sich in solchen Krisensituation (es muss ja nicht immer gleich ein Burnout sein 😉 ) Unterstützung zu suchen. Daher möchte ich dir zum Abschluss gerne einen Überblick geben über jene Angebote, die ich dir im Rahmen der Stehaufweibchen Community aktuell zur Verfügung stellen kann. Siehe dazu die Links unterhalb.
 
Alles Liebe
Deine Susi, das Stehaufweibchen