Wenn ich diese Frage vor einigen Jahren spontan beantwortet hätte, hätte ich wohl noch gesagt: Unbedingt. Damals glaubte ich daran, dass jeder Mensch eine Art Lebensaufgabe hat. 

Im Laufe der Zeit und mit dem ganzen Wissen und der Erfahrung im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung habe ich erkannt, dass es nicht unbedingt notwendig ist, eine Berufung zu haben, um ein glückliches und erfülltes Leben zu führen. Es ist ein möglicher Startingpoint. 

Ich bin immer wieder Menschen begegnet, die nicht das Gefühl hatten, einer Berufung zu folgen. Sie stellten sich schlicht und ergreifend irgendwann die Frage, in welcher Form sie dieser Welt am besten dienen könnten. Mit ihrem speziellen Mix aus Stärken, Fähigkeiten und Erfahrungen. 

Tipp: Übung zu “So findest du deine Berufung

Ein berühmtes Beispiel für so eine erfolgreiche Person ist laut eigenen Aussagen die Erfolgsautorin und Psychotherapeutin Stefanie Stahl. Sie hat sich nicht dazu berufen gefühlt, Menschen mit psychischen Probleme zu helfen. Sie betrachtete ihre Stärken und Interessen und leitete daraus mögliche Betätigungsfelder ab. 

Jene Missionen, die sie heute verfolgt, entwickelten sich erst mit der Zeit und werden dies wohl auch in Zukunft noch tun. Womöglich hat Stefanie Stahl mittlerweile sowas wie eine Vision, das weiß ich nicht. Aber ihren Erfolg verdankt sie nicht dem Entdecken ihrer Berufung, sondern pragmatischen Richtungsentscheidungen.

Und so kannst du das auch machen, wenn sich in dir dein Ruf nicht entdecken lässt. Manchmal ist er noch so leise, dass du ihn nicht hören kannst. 

Im Grunde kann man jede sinnvolle (das ist meiner Erfahrung nach das einzige Ausschließungskriterium: Sinn) Tätigkeit so tun, dass sie einen erfüllt und Freude macht. Ich selbst habe dies bei meiner verhasstesten Haushaltstätigkeit – dem Abwaschen – lernen dürfen. Heute stellt Abwaschen für mich nicht nur keine Herausforderung dar, es bereitet mir sogar Freude. Die Geschichte dazu kannst du hier nachlesen.

Lebe voll und ganz dich selbst, lebe im Moment. 

Die Suche nach der eigenen Berufung kann auch zu einer Falle werden. Nämlich dann, wenn man sich davon abhängig macht und erst mit dieser an den Start gehen möchte. Oder gar glaubt, ohne sie nicht an den Start gehen zu können.

Ich kann dazu nur sagen: Gib dein Bestes. Verwirkliche dich überall dort, wo du gerade bist. Warte nicht darauf, dass sich die Umstände von selbst (wie magisch) verändern, um es dir leichter zu machen. Und nebenbei bleib dran bei der Entdeckungsreise nach deiner Berufung, sofern du dir sicher bist, einen inneren Ruf zu haben. Ansonsten empfehle ich den pragmatischen Weg, den Stefanie Stahl gegangen ist. 

Du wirst sehr wahrscheinlich mit der Zeit deinen inneren Ruf immer deutlicher hören und wissen, an welchen Stellschrauben im Leben du drehen musst, um diese Berufung zur Umsetzung zu bringen. Mach einen Schritt nach dem anderen. 

Manche Irrwege können sich später, wie bei mir, als Vorteile in der Umsetzung erweisen. Hätte ich, wie bereits mit Anfang 20 innerlich gefühlt, die Lebens- und Sozialberaterausbildung gemacht, wäre ich wohl heute an einem ähnlichen Punkt in meinem Werdegang. Nur wäre ich hier anders hingekommen und hätte z.B. nicht das Wissen und die Erfahrung aus bald 20 Jahren Trainertätigkeit, Customer Service und Projektmanagement. Ich wüsste nicht, wie Unternehmen funktionieren und hätte wohl auch nie ein BWL- und Wirtschaftspsychologiestudium abgeschlossen. Auch von Technik hätte ich deutlich weniger Ahnung, was mir wohl den Einstieg ins Onlinebusiness deutlich erschwert hätte.

Der Weg ist das Ziel. Genieße jeden Augenblick. Jede neue Erkenntnis ist wertvoll. Mit jeder deiner Entscheidungen gestaltet du deinen Weg. 

Schau auf dich, die Welt braucht dich.

Alles Liebe
Deine Susi, das Stehaufweibchen