Im Podcast von Yvonne Schönau habe ich letztens den Begriff “Asising” das erste Mal gehört. Sie sprach von einer Technik, die uns dabei unterstützt, zu jeder Zeit die passenden Worte zu finden.
 
Ich wusste nicht, dass es dafür einen Namen gibt. In meinem Wortschatz gibt es jedoch einen verwandten Begriff, den ich zusammen mit einer ehemaligen Freundin geprägt habe: Isso.
 
In diesem Artikel möchte ich dir gerne erzählen, was es mit diesen beiden witzigen Begriffen auf sich hat und wie du sie einsetzen kannst, um dir dein Leben deutlich leichter zu machen UND um häufiger ins Staunen zu geraten (im positivsten Sinne ;-).
 

Asising

 
Kurz gesagt: Einfach sagen, was is.
 
Oft sind wir in Situationen, in denen wir nicht wissen, wie wir ein Gespräch beginnen sollen. Egal ob im beruflichen Kontext bei einem Geschäftstreffen mit noch fremden Personen oder privat auf einer Party, wo man nur wenige Gäste kennt. Aber auch Einstiege in Gespräche mit vertrauten Personen fallen uns manchmal schwer. Besonders dann, wenn wir ein schmerzhaftes oder heikles Thema, ein Problem ansprechen möchten.
 
Mit der Methode Asising gelingt dir IMMER ein guter und authentischer Gesprächseinstieg. Und dann geschieht Magie. Denn so viel Offenheit und Authentizität sind wir Menschen meist nicht gewohnt. Das ist erfrischend angenehm und lässt uns als Gesprächspartner gleichermaßen offener und authentischer sein. Das Staunen beginnt.
 
Die Idee ist es, einfach zu sagen, was gerade ist. Was man denkt oder fühlt. Und dann schauen, wie sich das Gespräch entwickelt. Frei von Erwartungen oder Forderungen. Sich selbst öffnen und schauen, was der andere damit macht. Wichtig dabei ist, dass man dies vom (erwünschten) Ergebnis entkoppelt.  Wenn man beim Gesprächseinstieg bereits daran denkt, wie diese Worte dazu beitragen könnten, dass man ein bestimmtes Ziel erreicht, ist man klar berechnend und strategisch unterwegs – das hat nichts mehr mit Asising zu tun.
 
So kann man beispielsweise auf einem Kongress einen Redner ansprechen, den man selbst echt toll findet. “Ich fand ihren Vortrag echt klasse, bin aber gerade zu aufgeregt, ihnen hier zu gegegnen, dass mir nicht die passenden Worte einfallen.” Einfach sagen, was ist. Simple.
 
In der Beziehung gibt es Spannungen und du kannst nicht zuordnen, woher diese kommen. Sie belasten dich und deshalb möchtest du es ansprechen, ohne deinem Partner dabei anzugreifen oder Vorwürfe zu machen. Gerade in Situationen, wo es um Emotionen geht, ist diese Methode enorm wertvoll. Sag einfach, was ist. “Schatz, ich spüre Spannungen zwischen uns und kann mir keinen Reim darauf machen. Ich hoffe, dass wir gemeinsam herausfinden können, was da gerade zwischen uns oder mit uns los ist, um hier Klarheit zu bekommen.”
 
Aus der Psychologie wissen wir, dass es uns enorm schwer fällt, auf jemanden ungut oder negativ zu reagieren, der sich uns gegenüber so öffnet und verletzlich zeigt. Das weckt in uns das Bedürfnis sich zu solidarisieren. Wir werden also tendenziell ebenfalls freundlich und auf dieser menschlichen Ebene reagieren – soweit uns das in dem Moment möglich ist.
 
Das Erstaunliche an Gespräche mit derart offenem authentischen Einstieg ist, dass man zu Beginn nie weiß, wohin sie führen. Erfahrungsgemäß macht man so die spannendsten und bereicherndsten Bekanntschaften. Da ich kein Fan von Smalltalk bin, habe ich mir angewöhnt, auf diese Art in Gespräche einzusteigen und vor allem Interesse an meinem Gegenüber zu zeigen. So wird mir auf Parties und Events mit lauter Fremden selten langweilig. Und mir wird nachgesagt, dass man mit mir immer tiefgehende und interessante Gespräche führt, was viele – vom Smalltalk genervte – als wohltuende Abwechslungs empfinden.
 

Isso

 
Dieses Wort haben eine ehemalige Freundin und ich in unseren Wortschatz aufgenommen, um Dinge, die im Moment unabänderlich sind, als akzeptiert anzunehmen. Denn wenn ich etwas gelernt habe, dann dass es nur unglaublich viel Kraft kostet und nichts bringt, gegen etwas aktuell unveränderliches anzukämpfen. Stattdessen nehme ich die Situation erst einmal so an, wie sie ist. Nach dem Motto: Isso (leitet sich von “ist so” ab).
 
Danach kann ich mit kühlem Kopf, denn ich habe aufgehört Emotionen in aussichtlosen Kämpfen zu verpulvern, die Situation analysieren, mir Hilfe holen und Lösungen finden. Erst durch die Entspannung in die Situation hinein, in dem ich sie akzeptiere als das, was sie ist – für den Moment – werde ich wieder handlungsfähig und kann aktiv an Lösungen arbeiten.
 
Das wohl markanteste Beispiel aus meinem Leben war mein Burnout-Zusammenbruch. Den wollte ich partout nicht wahrhaben, das kann ich dir sagen. Aber es war offensichtlich und ich musste mich der Realität stellen. Und mit ihr einige mir sehr unangenehme Wahrheiten. Wie jener, dass ich auf Hilfe angewiesen bin und aktuell nicht dazu in der Lage bin, selbst Entscheidungen zu treffen.
 
Für eine selbstständige Frau, die immer alles alleine gemacht und geschafft hat, immer für andere da war und deren Probleme gelöst hat, ein hartes Schicksal. Ich hätte dagegen ankämpfen können, mit meinem Stolz ringen und das Unvermeidliche hinauszögern. Doch mir war damals klar, es ist für den Moment unabänderlich. Die beste Strategie ist es, die Situation als jene zu akzeptieren, die sie ist: Ich bin ein Wrack und auf Hilfe angewiesen.
 
Und alles andere wird sich fügen. Denn sobald ich die Situation als das akzeptiert hatte, was sie war, wurde ich ruhiger und klarer im Kopf. Ich entspannte mich in diese ungute Situation hinein. Der Effekt war der Hammer. Wo zuvor innere Unruhe und sorgenverbreitende Gedankenkaruselle aktiv waren, weitete sich nun mein Geist und ich bekam direkten Zugang zu mir und meinem Innersten. Und genau dort, in meinem Inneren lagen all die Antworten, die es brauchte, um mein Leben wieder in den Griff zu kriegen und neu zu gestalten.
 
Ich wende diese Isso-Technik in jeder Krisensituation an. Denn dieses in die Situation entspannen, in dem man sie erstmal als das akzeptiert, was gerade ist, ist der Schlüssel für die Auflösung. Solange wir dagegen ankämpfen, was wir de facto grad nicht ändern können, verpulvern wir nur wertvolle Energie und Zeit. Erst durch das Akzeptieren können wir die Lösungsorientierungsenergie in uns aktivieren.
 
Diese Technik bringt auch eine Gefahr mit sich, die ich hier auch erwähnen möchte. Missverstanden könnte sie dazu führen, dass Menschen in die Resignation rutschen. So nach dem Motto “es ist halt so, da kann man nichts machen, das muss ich akzeptieren”. Menschen ziehen sich also in die Opferhaltung zurück und versinken im Selbstmitleid oder gar in einer Depression.
 
So ist es natürlich nicht gemeint. Die Idee ist wirklich jene, den Druck, die blockierenden Emotionen und diese innere Unruhe rauszubekommen, um wieder handlungsfähig und lösungsorientiert zu werden. Das gibt neue Kraft und öffnet einen für die passenden Lösungsansätze. Und das kann ich dir auch verrraten: es gibt für jedes Problem eine Lösung. Ja, manchmal gefallen uns die angebotenen Lösungsvarianten nicht, aber eine Lösung gibt es immer 😉
 
Ermutigende Grüße
Deine Susi, das Stehaufweibchen